Wien – Eigentlich könnte man meinen, die Sache wäre fix: Die Nachfrage nach trinkbarem Süßwasser an Italiens Stränden sprudelt nur so, die Warterei auf Lösungen zehrt. Über 65 Gemeinden oder Wasserverbände haben im August verlässlich ihr Interesse an der ersten solaren Meerwasserentsalzungsanlage österreichischer Bauart bekundet. Doch: Niemand setzt als erstes den Stift auf den Vertrag. Wer jemals mit Ämtern gearbeitet hat, kennt das: Erst überschäumende Euphorie („Schicken Sie Unterlagen, wo kann ich die Anlage sehen?“), dann schleichender Stillstand im Behördendschungel. Techniker werden geschickt, Termine platzen – alles kein Wunder, seufzt Dr. Pircher halb amüsiert, halb genervt.
Aber wenn Trockenheit regiert und der eigene Acker vertrocknet, ist plötzlich Bewegung in der Sache, vor allem unter Landwirten und Forschungseinrichtungen. Pircher überrascht das nicht – Hartnäckigkeit sei im Behördenkontakt Überlebensstrategie. Die beste Überzeugungsarbeit leistet aktuell die laufende Pilotanlage in Zypern: Am Cyprus Institute bei Limassol wird seit Sommer 2026 völlig emissionsfrei Trinkwasser aus Mittelmeerwasser produziert. Einmal im Monat lädt man Persönlichkeiten zur Besichtigung ein – Argumente aus dritter Hand braucht dann niemand mehr.
Im Herbst will Pircher persönlich als 'Wasserbotschafter' quer durch Italien und Spanien tingeln, um die Idee handfest zu machen und ehrgeizige Kommunen für ein Pilotprojekt zu gewinnen. Sein Ziel: Bis spätestens 2028 oder 2029 soll eine große Solarentsalzungsanlage am Mittelmeer stehen, Süßwasser und hoffentlich auch Optimismus pumpen. Der Clou an der DesertGreener-Technik: Das patentierte WME-MVC-Verfahren produziert allein mit Solarpower neben Wasser sogar Mineralien und grünen Wasserstoff – Rückleitungen von Salzwasser ins Meer werden vermieden, Fraunhofer-zertifiziert ist das Ganze ebenfalls.
DesertGreener, gegründet von Carl Albrecht Waldstein und in Wien ansässig, bleibt übrigens ansprechbar für jede Kommune mit Wasserdurst. (media@desertgreener.info)
Solarbasierte Meerwasserentsalzung aus Österreich trifft in einem von Dürre geplagten Südeuropa auf offene Ohren – aber auch auf das sprichwörtlich endlose Behördengrau. Trotz großem Interesse von Gemeinden, insbesondere an den Küsten Italiens, stehen bislang viele Gespräche im Schatten zäher Bürokratie. Erst die funktionsfähige Referenzanlage auf Zypern zeigt, dass Technik aus Österreich tatsächlich Süßwasser am Mittelmeer liefern kann, und gibt Hoffnung auf Nachahmerprojekte.
Zusätzliche Recherche (2024): Weltweit verschärfen sich die Trinkwasserprobleme, besonders in Italien, wo 2024 erneut schwere Dürren die Landwirtschaft bedrohen – viele Städte und Gemeinden rufen bereits zur Wasserknappheit den Notstand aus. Im Bereich solarer Meerwasserentsalzung entstehen momentan zahlreiche Pilotprojekte und Start-ups, da auch Spanien, Griechenland und Zypern unter steigender Wasserknappheit leiden (vgl. [taz.de](https://taz.de), [spiegel.de](https://www.spiegel.de)). Kritik gibt es an den oft langwierigen Genehmigungsverfahren, die Erprobung innovativer Technologien erschweren. Zudem befürchten Umweltschützer, dass ungelöste Soleprobleme bei klassischen Anlagen Meeresökosysteme belasten – Lösungen wie jene aus Österreich, die auf Rückleitung ins Meer verzichten, werden dementsprechend als nachhaltige Vorbilder diskutiert.