Hintergrund der Eskalation sind Disziplinarmaßnahmen gegen Mitglieder von Tarif-Verhandlungsteams, und zwar mitten im laufenden Tarifprozess – das teilte die Vereinigung Cockpit am Montag mit. Für die Piloten steht damit auf dem Spiel, ob ihnen das Management überhaupt als ernstzunehmenden Verhandlungspartner begegnet. "Um unsere Kolleginnen und Kollegen zu schützen, leiten inzwischen ausgewiesene Profis die Gespräche", ließ Cockpit-Vorsitzender Andreas Pinheiro verlauten. Er sprach dabei wohl für viele Betroffene, die sich offenbar einem enormen Druck ausgesetzt sehen. In den kommenden Wochen nehmen die Tarifgespräche in zahlreichen europäischen Ländern wieder Fahrt auf. Die Ryanair Transnational Pilot Group, sozusagen der Zusammenbund der Betriebsräte der Ryanair-Teilgesellschaften, forderte Ryanair wie auch Malta Air nachdrücklich auf, die Gespräche nicht einseitig zu belasten. Fairness, Verlässlichkeit und gegenseitiger Respekt – so lautet die Forderung, denn schließlich würden tragfähige Kompromisse nicht durch Einschüchterung, sondern nur am Verhandlungstisch entstehen. Ein Appell, der fast schon unangenehm nach Streik-Sommer klingt.
Die Kontroverse zwischen Ryanair und den Piloten-Gewerkschaften spitzt sich zu, weil Disziplinarverfahren gegen aktive Mitglieder der Tarifkommission genau zu dem Zeitpunkt eingeleitet wurden, als die Gespräche in eine entscheidende Phase gehen. Das hat das ohnehin labile Vertrauen weiter erschüttert, sodass nun auf professionelles Verhandlungspersonal und rechtliche Unterstützung gesetzt wird. Unter den Piloten kursiert die Sorge, dass Ryanair eine harte Linie fährt, während europaweit die Forderung nach fairen und respektvollen Verhandlungen aufrechterhalten bleibt. Nach aktuellen Berichten unter anderem von taz und Spiegel eskalieren parallel in mehreren Ländern Arbeitskonflikte mit Billigfluglinien, teils gibt es Streikdrohungen – etwa in Frankreich und Spanien. Außerdem betonen unabhängige Experten wie das Wirtschaftsinstitut IAB, dass die sozialen Bedingungen vieler Piloten in Billigairlines extrem herausfordernd sind. Hinzu kommt, dass günstige Flugpreise am Markt den Druck auf Tarifabschlüsse erhöhen, was die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer schwächt.