Die aktuellen Werte des Ifo-Instituts lassen aufhorchen: Im Juni sind die Preiserwartungen der Unternehmen laut Umfrage auf 26,4 Punkte gefallen – noch im Mai lag der Wert bei 30. Wer genauer hinsieht, erkennt einen Trend vor allem bei energieintensiven Firmen. Dort ist der Index binnen eines Monats spürbar von 41,2 auf 30,2 Punkte zurückgegangen. Auch bei Dienstleistern und im Handel ist der Druck zu Preiserhöhungen nicht mehr ganz so groß – die Zahlen rutschen hier ebenfalls nach unten. Und dann, ganz bezeichnend: Besonders die Lebensmittelbranche zeigt sich überraschend zurückhaltend – dort schmilzt der Erhöhungswille quicklebendig dahin, von zuletzt 19,6 auf jetzt 12,7 Punkte.
Laut Ifo-Konjunkturchef Wollmershäuser spielt eine Rolle, dass sich die Energiepreise leicht entspannt haben, unter anderem vielleicht auch wegen zaghaften Hoffnungen im Nahen Osten. Dennoch, so ganz will man den Optimismus nicht hegen: Von einer echten Entspannung für die Verbraucher kann kaum die Rede sein. Die Spanne zu den Durchschnittswerten der Jahre zuvor ist immer noch ordentlich, beinahe widerspenstig hoch. Auch der Einzelhandel mit Nahrungsmitteln bleibt – bei aller Entspannung – Preis-Zone mit Hitze. Die Ifo-Punktwerte spiegeln übrigens das Saldo-Prinzip wider: Wenn alle befragten Firmen Preise anheben wollen, steht die Anzeige auf 100; wollen alle runter, gibt’s minus 100. Alles dazwischen beschreibt eine etwas bewegliche Landschaft.
Der Druck auf deutsche Unternehmen, die Preise zu erhöhen, lässt nach – zumindest im Vergleich zu den letzten Monaten herrscht nun etwas Gelassenheit. Besonders bei Betrieben, für die Energie ein großer Kostenfaktor ist, bemerkt man einen deutlichen Rückgang bei den Preissteigerungsplänen. Allerdings: Ein endgültiges Durchschnaufen gibt es für die Verbraucher noch nicht – auch wenn die Dynamik nachlässt, bewegen sich viele Erwartungen immer noch spürbar über dem langjährigen Durchschnitt.
Aktuell zeigen neue Analysen auch, dass gerade internationale Unsicherheiten wie Konflikte im Nahen Osten oder schwankende Gaspreise ein gewisses Risiko für die weitere Preisentwicklung darstellen. Dazu kommen laut den letzten Berichten des Ifo-Instituts branchenunterschiedliche Entwicklungen: Im Baugewerbe und Gastgewerbe bleibt der Preisdruck bemerkbar stärker als beispielsweise im Maschinenbau oder IT-Bereich. Diese Entwicklung ähnelt den jüngsten Berichten der FAZ, wonach trotz Entspannung bei Inflation und Energiepreisen einige Branchen aufgrund von Arbeitskräftemangel und allgemeinen Kostensteigerungen von ambitionierten Preissenkungsszenarien absehen.