Rentendebatte: Winkel erhöht Druck auf Merz und Regierung

Johannes Winkel, Chef der Jungen Union, hält eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit inzwischen für gesellschaftlich weitgehend akzeptiert.

15.04.26 08:40 Uhr | 13 mal gelesen

So richtig überraschend klingt es für viele vermutlich nicht mehr, was Johannes Winkel da äußert. Immerhin: "Es ist mittlerweile fast gesunder Menschenverstand", lässt er Politico wissen. Vor einem Jahr sei allein das Wort 'längere Lebensarbeitszeit' noch wie ein rotes Tuch gewesen. Alles Tabu. Jetzt aber – meint er – habe die Debatte richtig Fahrt aufgenommen. "Eigentlich ist jetzt Bewegung drin. Die Rentendiskussion hat, würde ich sagen, einen Dominoeffekt gestartet." Konkrete Maßnahmen fordert er nun ein. Winkel wendet sich dabei besonders an die Bundesregierung: "Ich wünsche mir, dass der Kanzler und wir da im Herbst an einem Strang ziehen." Voriges Jahr habe es noch dicke Luft gegeben, einen „handfesten Dissens“. Das dürfe diesmal nicht wieder passieren. Für ihn steht fest: Die demografische Entwicklung drängt zum Handeln. "Damit kann man sich nicht wegducken. Jetzt sind Entscheidungen gefragt", betont er. So deutlich, so drängend. Und irgendwie klingt das fast schon nach einem nicht ganz freiwilligen Handschlag – zwischen Jung und Alt.

Winkel, Vorsitzender der Jungen Union, ist überzeugt, dass die ehemals kontroverse Forderung nach einer längeren Lebensarbeitszeit mittlerweile in der Bevölkerung auf wesentlich weniger Widerstand stößt. Seiner Ansicht nach müsse die Bundesregierung, insbesondere mit Blick auf die demografische Entwicklung und die Rentenfinanzierung, im Herbst endlich konkrete Maßnahmen ergreifen. Die Diskussion um das Thema, angestoßen durch jüngste Reformvorschläge, wird aktuell von vielen Seiten mit neuen Ideen und Warnungen angereichert. Recherchen zeigen, dass neben der Jungen Union auch verschiedene Experten und Ökonomen, beispielsweise aus dem Institut der deutschen Wirtschaft, wegen des steigenden Renteneintrittsalters Anpassungen für alternativlos halten. Die Ampel-Regierung dagegen zögert weiter und versucht, sozialpolitische Flanken zu schützen, da die Furcht vor Wahlverlust angesichts unpopulärer Reformen groß bleibt. Neben den Fragen um Lebensarbeitszeit werden Rentenniveau, Immigration und die finanzielle Absicherung junger Generationen weiter heiß diskutiert.

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