Wer schon mal versucht hat, mit einer Grundschulklasse kontrolliert im Internet zu recherchieren, weiß: Das geht schneller schief als gedacht. Genau dieses Problem packt tiini an – aber irgendwie bleibt dabei ein leichtes Misstrauen. Die Idee: Es gibt für jedes Unterrichtsthema sogenannte Kartensets, in denen Lehrkräfte kindgerecht passende Videos, Webseiten oder Audioangebote bündeln. Statt von YouTube-Vorschlägen in die Irre geführt zu werden, bewegen sich die Kinder in einem vorgegebenen Raum – quasi wie in einem Museum mit verschlossenen Türen abseits der Ausstellung. 'Erstmals macht es Sinn, YouTube gezielt im Unterricht einzusetzen', schildert ein IT-Betreuer aus einer der beteiligten Hamburger Schulen. Werbung und fragwürdige Inhalte? Draußen vor der Tür – wenigstens in diesem Rahmen. Auch der Browser wird, so erzählt eine Kollegin, durch tiini zum festen Bestandteil des Unterrichts: Endlich kein digitaler Blindflug mehr, sondern klar begrenzte Lernräume. Das Projekt rollt bewusst mitten in die Debatte um Altersbeschränkungen und Social-Media-Verbote hinein – tiini will zeigen: Es gibt Alternativen zum einfachen „Nein!“. 'Die Energiediskussion läuft ja schon länger', sagt Gründer Jan Kollmorgen trocken. 'Digitale Inhalte vor 14 sind nicht das Problem – das Problem ist, dass Erwachsene kaum Einfluss haben, was wirklich konsumiert wird.' Ursprünglich war tiini als smarte Hörspielbox für zu Hause gedacht. Jetzt folgt also der Sprung in die Schule, ohne Empfehlungs-Algorithmen, dafür mit pädagogischer Kontrolle. Die nächsten Monate wird gemeinsam mit Lehrkräften getestet – und das Ziel ist klar: Aus der Pilotphase soll ein Werkzeug entstehen, mit dem digitale Lerninhalte endlich auch für die Kleinsten handhabbar werden. Bald können sich auch weitere Schulen anmelden. Ob tiini hält, was es verspricht? Abwarten. Aber der Ansatz, Lernen mit digitalen Inhalten neu zu denken, sorgt jedenfalls für frischen Wind.
tiini.app will mit seinem leicht steuerbaren Kuratierungs-System digitale Bildungsinhalte wie YouTube-Videos und Webseiten in Grundschulen befördern, ohne Kinder der üblichen Flut von Ablenkungen und unerwünschten Inhalten auszusetzen. Neu ist dabei die Idee, komplette digitale Lernräume über editierbare Kartensets zu definieren – ein Modell, das die pädagogische Kontrolle in den Mittelpunkt stellt. Laut jüngsten Medienberichten wächst das Interesse an solchen Lösungen: In Deutschland herrscht große Unsicherheit über die Rolle digitaler Medien an Schulen, die Debatte reicht von Smartphone-Verboten bis zur Frage, wie digitale Kompetenzen sinnvoll gefördert werden können. Die Kultusministerien zögern vielerorts noch bei der umfassenden Digitalisierung von Grundschulen, gleichzeitig wächst der politische Druck, zeitgemäße Lösungen und neue Lernmodelle zu erproben. tiini ist also ein Beispiel für die Gratwanderung: Wie viel Eigenständigkeit dürfen Kinder beim Umgang mit dem Netz lernen, wie viel Rahmung brauchen sie? Eine endgültige Bewertung speziell für die Plattform tiini steht noch aus, doch die Pilotphase dient genau dazu, diese offenen Fragen zu beantworten.