Hohe Energiekosten bremsen die Erholung der deutschen Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft ächzt weiterhin unter den immensen Belastungen durch steigende Energiepreise und die Unsicherheiten infolge der Konflikte im Nahen Osten. Laut Monatsbericht des Wirtschaftsministeriums hat sich die Stimmung in Teilen der Industrie zwar gefestigt, doch Dienstleistungsbranchen spüren einen deutlichen Rückschritt.

heute 10:33 Uhr | 3 mal gelesen

Wenn man in diesen Tagen mit Einzelhändlern oder Café-Besitzern spricht, dann fallen häufig sorgenschwere Worte: Viele Leute halten ihr Geld zusammen. Gewinner sind das Sparbuch und vielleicht die Brieftasche für den Notfall. Die offizielle Diagnose des Wirtschaftsministeriums klingt nüchtern: Die Kaufzurückhaltung der Kunden trifft vor allem Branchen, an denen sowieso kein Gold klebt – also Supermärkte, Restaurants, sämtliche konsumnahe Betriebe. Die Industrie wiederum scheint im zweiten Quartal mit angezogener Handbremse zu fahren. Nach einem ziemlichen Sprung nach oben im März folgte prompt wieder ein Dämpfer im April – sowohl Aufträge als auch Produktion schwächeln, im Dreimonatsvergleich geht's eher abwärts. Wenigstens eine kleine Lichtung gibt es bei den Verbraucherpreisen: Sie stiegen im Mai 'nur' noch um 2,6 Prozent, vermutlich auch, weil Sprit etwas günstiger wurde. Trotzdem ist von Entspannung keine Rede. Was den Arbeitsmarkt betrifft – man könnte milde hoffen, denn die Arbeitslosenzahlen sind leicht gesunken. Allerdings trügt der Schein: Die Erwerbstätigkeit sinkt weiter, und mit mehr Jobs ist vorerst nicht zu rechnen. Grundbesorgnis bleibt also: Energiepreise hoch, mit jedem Tag, den der Nahost-Krieg andauert, wächst auch die Unsicherheit.

Die deutsche Wirtschaft steckt in einer festgefahrenen Situation – getrieben von anhaltend hohen Energiepreisen, geopolitischer Unsicherheit und einer vielfach schwachen Binnennachfrage. Insbesondere mittelständische Industrieunternehmen verlagern Investitionen zunehmend ins Ausland, um Energiekosten zu sparen. Trotz einer leichten Beruhigung der Inflationsrate sind die Löhne kaum in gleicher Höhe gestiegen, was das Konsumverhalten der Bevölkerung weiter dämpft. Neue Prognosen sprechen von einem sehr verhaltenen Wirtschaftswachstum für das gesamte verbleibende Jahr und einem Arbeitsmarkt, der auf Kante genäht ist – die Unsicherheit bleibt prägend. Das ifo-Institut und weitere Wirtschaftsforschungsstellen warnen, dass Deutschland seine relative Attraktivität als Industriestandort zu verlieren droht, sofern keine politischen oder strukturellen Impulse folgen.

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