Gleich nach der offiziellen Verabschiedung folgt die Vergabe neuer Posten: Nina Warken übernimmt das Kanzleramt, Carsten Linnemann das Gesundheitsministerium und Steffen Bilger wird neuer Mann fürs Verkehrswesen. Die Machtrochade bleibt im CDU-Kreis – kein Wunder, dass die Spannungen hochkochen. Direkt danach trifft sich die Unionsfraktion; auf dramaturgischer Ebene fast schon bühnenreif, wird Ex-Kanzleramtsminister Thorsten Frei aller Voraussicht nach zum neuen Fraktionschef gekürt – zumindest, wenn Friedrich Merz sich durchsetzt und keine überraschenden Wendungen auftreten. Wegen Baumaßnahmen verlagert sich das Plenum extra in den großen Saal – Journalisten werden ausgesperrt, Geheimhaltung ist Trumpf. Zeitlich ist die Chose knapp bemessen: eine Stunde für den Wechsel, dann eilt man weiter zur Pressekonferenz mit Merz, Söder und anderen Größen, inklusive dem frisch gewählten Fraktionschef. Überraschungen? Eigentlich nicht erwartet, aber bei der aktuellen Stimmungslage kann sich niemand sicher sein. Von außen erscheint es als banales Polit-Theater, doch die Sache brodelt: Die Abgeordneten sind nicht begeistert, dass sie ihren Urlaub für die Abstimmung opfern müssen – mehr noch, die rheinland-pfälzischen CDU-Landtagsabgeordneten sagten demonstrativ ein Treffen mit Merz ab. Ihr Vorwurf: Vertrauensbruch, die Atmosphäre sei am Nullpunkt. Am Abend dann noch Nachschlag von Tino Sorge, dem entlassenen Staatssekretär aus dem Gesundheitsministerium. Öffentlich und spöttisch zweifelt er am Kurs von Kanzler Merz – sein sarkastischer Kommentar auf X (früher Twitter) verbreitete sich rasend schnell und traf offenbar einen Nerv.
Kurz vor einer heiklen Unionsfraktionssitzung verleiht der Bundespräsident gleich mehreren CDU-Ministern erst ihre Entlassung und prompt neue Aufgaben; die Fraktion wählt danach vermutlich Thorsten Frei zum neuen Chef. Hinter den Kulissen brodelt es allerdings gewaltig: Teile der Partei murren über die Art und Weise der personellen Umbesetzungen, viele sehen im harten Vorgehen von Friedrich Merz einen Vertrauensbruch. Laut aktuellen Berichten zum heutigen Thema und vergleichbaren Rochaden der letzten Jahre werden solche personellen Verwerfungen oft als Zeichen innerparteilicher Krisen gesehen, deren Auswirkungen bis ins politische Tagesgeschehen reichen – ein Umstand, der die Unionsführung gerade jetzt empfindlich trifft.