Klimaziele, Green Deal, mehr Güter auf die Schiene: Die Versprechen in Brüssel und vielen Hauptstädten klangen groß. Und dann diese nüchterne Realität – schon wieder hat der Schienengüterverkehr in der EU Federn gelassen. 2025 sind rund 368 Milliarden Tonnenkilometer bewegt worden, das sind 1,8 Prozent weniger als letztes Jahr.
EU-Statistikamt: Der Abschwung hält an
Kurzer Blick auf die Zahlen von Eurostat – bei echten Menschen sorgt sowas gern mal für hochgezogene Augenbrauen. Denn das hier ist das vierte Jahr in Folge mit Minuszahlen. Irgendwann wird der Slogan ‚Verkehrswende‘ zur Geduldsprobe, wenn die Zahlen in die falsche Richtung zeigen.
Deutschland bleibt dominant: Ganze 123,5 Milliarden Tonnenkilometer – ein Drittel des EU-Gesamtwerts – liefen 2025 über deutsches Schienennetz. Ohne Deutschland wäre das EU-Bild noch düsterer, denkt man sich.
Spitzenreiter und Sorgenkinder
Polen (14,7 Prozent Marktanteil, 54,3 Mrd. tkm) und Frankreich (9,3 Prozent, 34,4 Mrd. tkm) schaffen es immerhin aufs Treppchen. Nur, das Rennen ist ungleich: Etwas mehr als die Hälfte der Länder meldet Rückgänge; nur ein paar seltene Lichtblicke deuten auf Wachstum.
Der Trend: Während Deutschland zieht, kämpfen andere – zum Beispiel Irland mit satten 35 Prozent Minus. Sowas liest man nicht jeden Tag. Lettland und Estland verlieren fast ein Fünftel – politische, wirtschaftliche und vielleicht auch infrastrukturelle Gründe spielen da mit rein.
Gewinner und Nachzügler
Übrigens: In Griechenland, Portugal, Frankreich geht es aufwärts. Hier legen die Frachtraten auf der Schiene sogar kräftig zu, stellenweise um neun Prozent. Man ahnt: In den Krisen stecken tiefer liegende Fragen nach Investitionen und Reformen.
Wer pro Kopf schaut, wundert sich
Luxemburg, Österreich, Litauen führen die Hitparade beim Schienengüterschnitt pro Einwohner an. Dagegen sind Irland und Griechenland fast am Nullpunkt, Spanien ist auch abgeschlagen. Reichtum? Industrie? Das alles mischt irgendwie mit – einfache Erklärungen gibt’s kaum.
Idee kontra Realität – ein Bruch
Überall spricht sich die Politik für mehr Schienengüter aus, wegen CO2, LKW-Mangel, überlasteter Straßen. Was bekommen sie? Eine Bahnbranche, die wie auf glattem Gleis abbremst. Ursachen? Der Mix: schleppende Modernisierung, nationale Vorschriften, strotzender Preiskampf mit der Straße – da hilft selbst das ewige Mantra vom Green Deal kurzfristig wenig.
Was bedeutet das jetzt?
Industrie und Händler hocken am Konferenztisch, wägen Risiko gegen Wunsch: Ist die Schiene noch planbar? Lohnt der Sprung zurück auf die LKW? Und die politische Ebene: Sie steht in der Verantwortung, jetzt nachzusteuern. Digitalisierung, Ausbau von Engpassstrecken, faire Rahmenbedingungen – das klingt wie von der Stange, muss aber genau jetzt mehr sein als politische Willenserklärung. Nur dann, so mein Gefühl, lässt sich der Trend wenden.