Europas Bankenlandschaft ist nach wie vor zersplittert, findet Monika Schnitzer, ihres Zeichens Vorsitzende des Sachverständigenrats. Viele deutsche Institute hängen im internationalen Vergleich bei Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit hinterher – kein Geheimnis, aber einer dieser Punkte, den man in politischen Kreisen gern kleinredet. Dass Kanzler Scholz mit Finanzminister Klingbeil (SPD) die Eigenständigkeit der Commerzbank hochhält, sieht Schnitzer offenbar kritisch. Im Interview mit der FAZ stellt sie klar: Zu schnelle Ablehnung grenzüberschreitender Fusionen sei überholt. Klar, die Sorge um Jobs bei so einem Deal ist menschlich – aber darf das aus wirtschaftlicher Sicht wirklich das Hauptargument sein? Schnitzer glaubt: Bankenübernahmen zwischen Ländern könnten nicht nur die Produktivität pushen, sondern auch das ewige politische Schielen nach 'unserer' Bank entspannen. Weniger emotionale Reflexe, mehr nüchterne Prüfungen – so ihre Forderung. Die eigentliche Frage sei doch: Wird daraus endlich ein echter europäischer Bankenmarkt? Filialsterben, ja, schmerzt. Aber vielleicht braucht es gerade das, um den Sektor zukunftsfähig zu machen. Ganz ehrlich, an dieser Stelle fragt man sich fast, warum nationalpolitischer Schutzinstinkt so tief sitzt.
Schnitzer plädiert für eine pragmatische Neubewertung internationaler Bankenfusionen in der EU – und davon könnte auch die Commerzbank profitieren, wenn der Blick aus Sicht der Wettbewerbsfähigkeit und der Finanzmarktstabilität geweitet wird. Die Bundesregierung setzt bislang konsequent auf Unabhängigkeit der Commerzbank, wohl aus Sorge um Arbeitsplätze und nationale Kontrolle, allerdings sieht Schnitzer im Strukturwandel des Finanzsektors genau darin eine notwendige Entwicklung Richtung Effizienz. Eine zusätzliche Recherche zeigt: In den letzten 48 Stunden berichten diverse Medien, dass Bankenfusionen trotz geopolitischer Unsicherheiten und wirtschaftlichen Schwankungen in der EU verstärkt als Lösung betrachtet werden, um den Rückstand gegenüber US-amerikanischen Banken aufzuholen – auch die anhaltende Diskussion um mögliche Filialschließungen und Arbeitsplatzverluste rückt inzwischen stärker in den Fokus der gesellschaftlichen Debatte.