Leistung im Beruf: Zweifel, Druck und der Wunsch nach mehr Zeit

Ein beträchtlicher Teil der Erwerbstätigen in Deutschland glaubt nicht daran, dass sich besonderer Einsatz im Job auszahlt.

heute 06:57 Uhr | 3 mal gelesen

Eine aktuelle Statista+-Befragung für den 'Spiegel' bringt es ans Licht: Fast 40 Prozent der befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer meinen, dass sich Engagement im Beruf nicht rentiert – ein Ergebnis, das sich irgendwie schwer abschütteln lässt. Der Großteil – 59 Prozent – sieht das anders und bleibt davon überzeugt, dass sich Mühe auch auszahlt. Interessanterweise sind es diejenigen, die sich selbst als leistungsbereit ansehen, die diesen Zusammenhang besonders stark wahrnehmen oder vielleicht bewusst hoffen. Immerhin zeigt die Umfrage unter 1.000 Berufstätigen: Viele sind grundsätzlich motiviert, ihr Soll zu übertreffen – allerdings hakt es offenbar an den Rahmenbedingungen. 44 Prozent erklären, sie hätten Lust auf mehr Einsatz. Aber: Fehlender Lohn, geringe Anerkennung, und die Sorge, dass Arbeit die Lebensqualität auffrisst, bremsen den Tatendrang. So mahnen etwa 24 Prozent zu wenig Gehalt an, jeder Fünfte fühlt sich nicht wahrgenommen oder leidet unter einem Mangel an Freizeit und familiären Freiräumen. Noch spannender ist vielleicht die Frage, was überhaupt als 'Leistung' gilt. Für die meisten zählt Sorgfalt, Qualität und Präzision – besonders ausgeprägt bei Älteren. Junge Leute sehen das lockerer und vielschichtiger: Weiterbildung oder häufiges Übertreffen von Erwartungen zählen für sie ebenfalls. Nicht verschweigen sollte man aber den erheblichen Leistungsdruck: Gerade unter den Jüngeren fühlen sich 42 Prozent häufig gestresst – Frauen berichten übrigens noch öfter von hoher Belastung. Dahinter steckt meist Personalmangel und das Gefühl, für mehrere gleichzeitig schuften zu müssen. Die Sehnsucht nach einem anderen Arbeitsleben spiegelt sich auch in den Zukunftswünschen: Zwei von drei denken über Arbeitszeitverkürzung nach, insbesondere die Jüngeren. Nicht erstaunlich in einer Zeit, in der Freizeit, Familie und persönliche Entfaltung für viele wieder ins Zentrum rücken. Überraschend vielleicht: Die Viertagewoche finden knapp die Hälfte attraktiv – wobei das klassische Fünftage-Modell trotzdem die Nase vorn behält. Laura Venz, Arbeits- und Organisationspsychologin aus Lüneburg, hält den Pessimismus gegenüber Leistungsanreizen eher für das Ergebnis von Frust und einer gefühlten Ohnmacht als für Faulheit. Wer die Debatte weiter mit dem Vorwurf beginnt, viele gäben sich nicht genug Mühe, bewirke laut Venz das Gegenteil: Mehr Zynismus, mehr Rückzug. Und noch ein Warnschuss: Die Komprimierung der Arbeit auf vier Tage mit entsprechend längeren Schichten – das ist laut Forschung alles andere als gesund.

Viele Beschäftigte in Deutschland zweifeln laut Statista+-Umfrage daran, dass sich Leistung im Beruf auszahlt – insbesondere wegen fehlender Wertschätzung und geringem finanziellen Ausgleich. Jüngere Berufstätige erleben höhere Belastung und stehen der klassischen Vollzeit zunehmend kritisch gegenüber; der Wunsch nach kürzerer Arbeitszeit und mehr Zeit für Privates wächst deutlich. Aktuelle Recherchen zeigen, dass auch Tariferhöhungen, Inflation und die fortlaufende Debatte um Vier- statt Fünftagewoche die Skepsis vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weiter anheizen – Arbeitgeberverbände warnen jedoch vor Produktivitätseinbußen durch Arbeitszeitverkürzungen.

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