Neuer Ansatz in der Krebsforschung: Zellkulturen ohne Kälberserum gegen Tierleid
Zelllinien menschlicher Krebszellen sind für das Verständnis und die Erforschung von Krebs unverzichtbar geworden, doch ihr Wachstum im Labor basiert oft noch auf fötalem Kälberserum – ein Produkt, das nicht nur ethische Probleme, sondern auch zahlreiche wissenschaftliche Herausforderungen mit sich bringt. Gerade hinsichtlich Tierwohl und Reproduzierbarkeit der Forschung gilt es, neue Wege zu gehen, etwa durch FKS-freie Kulturverfahren.
heute 11:23 Uhr | 1 mal gelesen
Wussten Sie schon, dass für viele Laborexperimente mit menschlichen Tumorzellen noch immer Blut von ungeborenen Kälbern gebraucht wird? Ganz schön paradox, wo Tierversuche doch eigentlich zunehmend verdrängt werden sollen. Genau hier setzt die Arbeitsgruppe von Dr. Sonja Eberth vom Leibniz-Institut DSMZ in Braunschweig an: Sie haben vier gängige menschliche Krebszelllinien (HELA, HL-60, K-562, JIMT-1) erfolgreich auf tierfreie Nährmedien umgestellt. Statt fötalem Kälberserum kamen unter anderem humanes Plättchenlysat und voll synthetische Lösungen zum Einsatz – und siehe da, die spezifischen Eigenschaften der Zellen blieben erhalten. Diese Resultate, erst kürzlich veröffentlicht (Alternatives to Animal Experimentation), dürften die Umstellung auf FKS-freie Alternativen für die Forschung weltweit erleichtern. Besonders spannend: Die ersten so adaptierten Zelllinien, beispielhaft die HL-60-Leukämiezellen, sind bereits im Katalog der DSMZ abrufbar. Das spart einzelnen Laboren aufwendige Umbauarbeit und Ressourcen. Übrigens: Die Herstellung von FKS ist nicht nur moralisch fragwürdig (Entnahme per Herzpunktion an lebenden Feten ohne Betäubung) – die schwankende Qualität sorgt dazu oft für experimentelle Unsicherheit. Die Wissenschaft ringt ohnehin mit der Reproduzierbarkeit ihrer Ergebnisse; FKS-freie Lösungen könnten beides verbessern: Tierwohl und Verlässlichkeit. Aber es bleibt ein Wermutstropfen: Noch muss jedes Medium einzeln auf die Zelllinien abgestimmt werden – Universallösungen gibt es leider kaum. Zu guter Letzt ein Hinweis: Die DSMZ ist international eine der zentralen Anlaufstellen für biologische Ressourcen und versteht sich als Motor für verantwortungsvolle Forschung.
Das Leibniz-Institut DSMZ hat erfolgreich vier weit verbreitete menschliche Krebszelllinien an FKS-freie Medien angepasst, mit dem Ziel, Tierleid zu verringern und die wissenschaftliche Reproduzierbarkeit zu stärken. Besonders die Anpassung der HL-60-Leukämiezellen an ein vollständig chemisch definiertes Medium gilt als Meilenstein und wird anderen Wissenschaftler*innen über den DSMZ-Katalog frei angeboten. Laut aktuellen Berichten anderer Fachportale plant die EU langfristig, den Anteil an tierfreien Verfahren weiter zu steigern, und es laufen inzwischen auch zahlreiche Initiativen großer Pharmaunternehmen, auf Kälberserum zu verzichten. Weltweit ist ein wachsendes Interesse sichtbar, da ethische Standards in der Forschung immer mehr zum Vergabekriterium öffentlicher Gelder werden. Auch Organisationen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) pochen auf strengere Richtlinien, was die Verwendung von tierischen Produkten betrifft. Es zeichnet sich ab, dass in den nächsten Jahren FKS-freie Zellkulturen zum neuen Standard avancieren könnten, unterstützt durch die fortschreitende Entwicklung von definierten Alternativmedien.