Reden verbindet: Warum Gespräche zwischen Vätern und ihren Teenagern so entscheidend sind

Ravensburg/München/Ludwigsburg – Laut neuen Forschungsergebnissen profitieren vor allem Jugendliche, wenn Väter Zeit, Aufmerksamkeit und ein offenes Ohr bieten. Gerade in der oft schwierigen Jugendzeit sind Vaterfiguren eine Stütze – nicht nur für Söhne, sondern auch für Töchter.

heute 08:41 Uhr | 4 mal gelesen

Wer hätte gedacht, dass ein simples Gespräch am Küchentisch so viel Wirkung entfalten kann? Väter, die den täglichen Trubel nicht scheuen und sich auch mal auf ein ernstes oder banales Gespräch mit ihren Kindern einlassen, legen offenbar ein solides Fundament für ein gutes Miteinander. Eine Studie aus München hält jetzt fest: Väter, die am Familienleben teilhaben und es nicht als Randnotiz zum Beruf betrachten, hinterlassen besonders bei jüngeren Jugendlichen einen bleibenden Eindruck. Im Schnitt kümmern sich Männer tagtäglich etwa 1,5 Stunden um ihre Kinder – zwar immer noch weniger als viele Mütter, aber mit steigender Bedeutung, je älter die Kids werden. Bemerkenswert: Wer als Kind spürte, dass mit Papa ‚alles besprochen werden kann‘, bewertet später als junger Erwachsener die Beziehung zum Vater zu 82 Prozent als ‚exzellent‘ – vorausgesetzt, das Gesprächsklima stimmte. Die Studie „Vaterschaft im Wandel“, initiiert von der Stiftung Ravensburger Verlag und begleitet durch die Evangelische Hochschule Ludwigsburg und das Deutsche Jugendinstitut, beleuchtet erstmals Väter aus Sicht ihrer (heranwachsenden) Kinder. Gerade in der Zeit, in der Heranwachsende sich abnabeln, ist väterliche Balance gefragt: Gesprächsbereitschaft einerseits, Loslassen andererseits. Forscher:innen wie Dr. Claudia Zerle-Elsäßer weisen darauf hin, dass Jugendliche zwar Freiraum möchten, doch Orientierung und emotionale Wärme weiterhin einen großen Halt bieten – und hier kämen die Väter ins Spiel, die mit ihren Kindern im Dialog bleiben. Je intensiver die Gespräche, desto besser die Beziehung, so die Statistik: 67 Prozent der Befragten mit sehr kommunikativen Vätern bezeichnen ihr Verhältnis als ausgesprochen gut, während es bei wenig austauschfreudigen Papas gerade mal 7 Prozent sind. Emotionale Nähe und ein liebevoll-offener Umgang zahlen sich demnach doppelt aus: für die aktuelle Bindung – und im Rückblick aus Sicht Erwachsener für die Erinnerung an den Vater. Interessant auch: Männer, die Beruf in den Hintergrund und Familie deutlicher in den Vordergrund rücken, werden von ihren Teenagern viel eher als Verbündete erlebt. 82 Prozent der Jugendlichen, deren Papa das Familienleben sogar über Job und Karriere stellt, sprachen von besonders enger Beziehung. Die laufende Studie greift auf Daten von 2009-2023 zurück und bindet erstmals zahlreiche Interviews mit Vätern und Jugendlichen ein. Der Fokus: Wie gelingt der Austausch zu gesellschaftlichen Fragen innerhalb der Familie? Und was bedeutet es, wenn Väter sich bei Themen wie Gerechtigkeit, Umwelt oder Politik aktiv zeigen? Der Forschungsansatz wagt neue Wege – immerhin ist familieninterne politische Bildung bislang wenig beleuchtet. Fazit: Wer im Alltag Fragen, Zweifel, Meinungen zulässt, erzieht seine Kinder gleichsam zu mündigen Bürger:innen. Das ist mehr als reine Nähe – das ist Beziehungsarbeit, von der alle profitieren.

Die aktuellen Zwischenergebnisse aus dem Projekt „Vaterschaft im Wandel“ machen deutlich: Regelmäßige, offene Gespräche zwischen Vätern und Jugendlichen sind zentral für eine stabile Beziehung. Besonders im familiären Kontext entsteht so nicht nur emotionale Verbundenheit, sondern auch eine Basis für demokratische Kompetenzen und gesellschaftliches Mitdenken. Interessant ist, wie stark sich die Priorisierung der Familie (etwa durch weniger Berufstätigkeit zugunsten der Kinder) auf die Beziehung auswirkt – viele Jugendliche honorieren dies mit einer spürbar intensiveren Bindung zum Vater. Nach weiteren Recherchen wurde deutlich, dass das Thema „aktive Vaterschaft“ aktuell vielfach debattiert wird. Die Süddeutsche berichtet etwa von der weiterhin ungleichen Verteilung der Care-Arbeit, die FAZ analysiert, wie Unternehmen flexible Arbeitsmodelle für Väter fördern, damit diese präsenter im Familienleben sein können. Zeit Online beleuchtet, dass besonders Gespräche über gesellschaftlich relevante Themen zwischen Vätern und Kindern dazu beitragen, junge Menschen auch politisch zu stärken.

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