Soft Skills – irgendwo zwischen Teamgeist, Konfliktfähigkeit und Selbstorganisation – gewinnen ganz offensichtlich an Gewicht, zumindest auf dem Papier. Dennoch, bringen wir es auf den Punkt: In deutschen Unternehmen klafft eine deutliche Lücke zwischen der Theorie aus dem Lehrbuch und der Wirklichkeit im Meetingraum. Laut der aktuellen GoodHabitz-Studie haben zwar 62 Prozent der Befragten das Gefühl, dass Soft Skills eine entscheidende Rolle für ihre berufliche Entwicklung spielen, aber sobald Probleme auftreten, sind 40 Prozent ratlos, ob es eher am fehlenden Fachwissen oder an zwischenmenschlichen Fähigkeiten hakt. Besonders spannend finde ich, dass gerade mit zunehmendem Alter Soft Skills wichtiger erscheinen, als würde die Lebens- bzw. Berufserfahrung irgendwann einen Schalter umlegen: Plötzlich sind zwei Drittel der 40- bis 64-Jährigen davon überzeugt, dass Empathie und Co. zum Erfolg beitragen – während sich jüngere Leute da noch weit weniger sicher sind.
Und dennoch fehlt es an Vorbildern. Fast die Hälfte der Führungskräfte meint, Soft Skills würden zu wenig vorgelebt. Gleichzeitig wünschen sich ausgerechnet die Führungsetage am meisten gute Beispiele für gelingende soziale Kompetenzen – da beißt sich die Katze in den Schwanz. Es gibt weitere Stolpersteine. Überraschend viele Energieräuber im Büroalltag haben wenig mit mangelndem Wissen zu tun: Fehlende Wertschätzung, ständiges Unterbrechen, interne Zoffereien, technische Störungen und pure Überforderung reißen ein deutlich größeres Loch in den Arbeitstag als alles, was mit Wissen zu tun hat. Das scheint ein Indiz dafür zu sein, wie unterschätzt Soft Skills in Wirklichkeit sind – immer da, aber zu selten im Fokus.
Wenn es um das, was wirklich entwickelt werden müsste, geht, nennen die Befragten vor allem Konfliktfähigkeit, Kommunikation, Selbstmanagement und Resilienz. Kritisches Denken, interessanterweise, landet ganz hinten. Warum? Vielleicht, weil es schwer messbar oder schlicht nicht im Alltag sichtbar wird. Ein weiteres Ergebnis: Junge Menschen wünschen sich vor allem mehr Feedback, Ältere mehr Anerkennung – und bei Frauen steht Wertschätzung besonders hoch im Kurs, während Männer eher nach klaren Vorbildern suchen.
GoodHabitz setzt laut eigenen Angaben auf begleitete Lernprozesse und versucht, Unternehmen beim Aufbau einer Lernkultur zu unterstützen. Der kritische Punkt bleibt jedoch: Ohne den Willen zur Veränderung an der Spitze des Unternehmens und eine offene Fehler- und Feedbackkultur verhungern Soft Skills als wohlmeinende Floskeln an der Kaffeemaschine.
Die GoodHabitz-Studie deckt auf, dass trotz offensichtlicher Bedeutung von Soft Skills die Förderung dieser Kompetenzen ins Stocken geraten ist. Zentral sind fehlende Vorbilder und Wertschätzung, eine schwer greifbare Messbarkeit und unterschiedliche Bedürfnisse je nach Altersgruppe und Position. Neuere Quellen wie die FAZ berichten, dass Unternehmen zunehmend in Trainings zu Resilienz und Teamwork investieren, um den Wandel der Arbeitswelt zu begleiten, aber auch feststellen, dass digitale Kurse allein oft keine nachhaltigen Veränderungen bewirken. Ein Artikel der Süddeutschen Zeitung weist darauf hin, dass Soft Skills gerade im Umgang mit Künstlicher Intelligenz wichtiger werden, etwa beim kritischen Hinterfragen algorithmischer Entscheidungen im Büroalltag. Die ZEIT berichtete kürzlich, dass besonders jüngere Beschäftigte von Führungskräften mehr Mut zum Feedback fordern, während in vielen Firmen ein generelles Unverständnis darüber herrscht, was Soft Skills im Alltag tatsächlich bedeuten. Insgesamt zeigt sich, dass der Ruf nach gezielter, gelebter Personalentwicklung und echter Vorbildfunktion lauter wird.