Es gibt Stoffe, die wirken wie ein Stein im Schuh: Man kann sie einfach nicht ignorieren. Dietrich Bonhoeffer, der junge Pastor, inspirierte und irritierte zugleich, weil er sich nicht wegduckte, als es gefährlich wurde. Regisseur Todd Komarnicki hat mit seinem neuen Spielfilm versucht, dieser Zerrissenheit, aber auch Bonhoeffers unbeirrbarem Glauben auf den Grund zu gehen. Der Zuschauer erlebt Bonhoeffer als Freund, Sohn, Theologe, aber eben auch als Kämpfer gegen die Nazi-Diktatur. Interessant ist dabei, dass Komarnicki nicht nur den Märtyrerhelden ins Zentrum stellt, sondern die Zwischentöne herausarbeitet: Bonhoeffers Zweifel, seine Konflikte mit Weggefährten und Familie, sein gesellschaftliches Ringen. Das Ganze berührt eine uralte Frage: Was darf oder muss ein Christ, wenn das Gewissen ihn ruft? Komarnicki lässt keinen anstrengenden Pathos zu, sondern sucht nach einer Art sanfter Aufrichtigkeit. Das wirkt manchmal sperrig, manchmal erstaunlich emotional. Auffällig ist sein Versuch, den Bogen ins Heute zu schlagen – der Film will offenbar auch Debatten um das Verhältnis von Glauben, politischer Macht und Zivilcourage anstoßen. Bemerkenswert ist, dass mit Jonas Dassler eine junge, deutsche Schauspielgeneration den historischen Stoff neu anfasst, unterstützt von so bekannten Namen wie August Diehl und Moritz Bleibtreu. Sehenswert nicht nur für religiös Interessierte, sondern für alle, die sich fragen, wie viel Mut und Glaube in einer Gesellschaft nötig sind, die ins Wanken gerät.
„Bonhoeffer“ schlägt eine Brücke vom Schrecken der Nazi-Diktatur bis zu heutigen Fragen nach Verantwortung, Mut und Gottvertrauen. Der Film folgt Dietrich Bonhoeffer auf seinem Weg vom theologischen Überzeugungstäter zum entschlossenen Widerstandskämpfer und nimmt dabei seine inneren Konflikte ebenso ernst wie seine leidenschaftlichen Appelle für Menschlichkeit. Mit seinem Ansatz, weniger Heldensaga als menschliches Drama zu sein, trifft die Verfilmung einen interessanten Nerv unserer Gegenwart – gerade vor dem Hintergrund wachsender gesellschaftlicher Spannungen und der anhaltenden Debatte um Zivilcourage.
Aktuelle Recherchen zeigen, dass eine wachsende Zahl an Arthouse- und Streamingformaten sich derzeit den ethischen Dilemmata der NS-Zeit widmet – beispielsweise thematisiert die ZDF-Reihe „Die Stunde der Entscheidung“ den Mut ziviler Akteure, während ZEIT ONLINE auf die hohe Aktualität von Bonhoeffers „Ethik“-Schriften verweist. Der deutsche Filmmarkt erlebt zudem einen Trend zu historischen Biopics als Spiegel gegenwärtiger Fragen nach Identität, Moral und Verantwortung, wie der gerade erschienene Beitrag der Süddeutschen zu den Neuverfilmungen über Widerstand im Dritten Reich unterstreicht.