DAK warnt: Geplante Pflegereform drückt Senioren höhere Heimkosten auf

Der Vorstandschef der DAK, Andreas Storm, schlägt gegenüber Gesundheitsministerin Nina Warken Alarm und fordert Rückzug bei den Sparplänen zur Pflege.

heute 16:26 Uhr | 2 mal gelesen

Andreas Storm nimmt kein Blatt vor den Mund. Im Gespräch mit dem "Tagesspiegel" weist er eindringlich darauf hin, dass die Bundesregierung dringend ihre eingeschlagene Route bei der Pflegereform überdenken müsse – andernfalls drohe ein finanzieller Kraftakt für Pflegebedürftige, der vielen schlicht die Luft abschnüren könnte. Ohne Gegenmaßnahmen rufe ein Milliardenloch bei der Pflegeversicherung. Eine Reform, ja – aber nicht so. Laut Storm seien die durchgesickerten Details zu wenig und zu kurz gedacht: Die Bundesregierung unter Leitung der CDU-Ministerin Nina Warken wolle offenbar die Zuschüsse für die Heimunterbringung verschieben – auf später, weiter nach hinten. "Man überlegt, die Zuschüsse erst nach längerer Zeit zu gewähren", so berichtet die "Rheinische Post" – für Betroffene ist das ein herber Schlag. Heinz Rothgang, Pflegeforscher und Gutachter für die DAK, hat Zahlen zur Hand: Seine Rechnung zeigt, dass Seniorinnen und Senioren in Heimen durchschnittlich 161 Euro mehr jeden Monat selbst stemmen müssten. Über viereinhalb Jahre ergibt das fast 20.000 Euro zusätzliche Belastung je Bewohner. Und das bei ohnehin schon hohen Eigenanteilen von rund 3.200 Euro monatlich für einen Platz im Pflegeheim. Derzeit greifen Staffelungen bei der Erstattung – 15 Prozent im ersten Jahr, 30 im zweiten, 50 im dritten und ab Jahr vier 70 Prozent. Im neuen Szenario rutschen die Erhöhungen zeitlich weiter nach hinten, etwa die höchste Entlastung erst nach viereinhalb Jahren – so der Plan aus dem Ministerium, wie das "RND" meldet. Rothgangs Berechnung stützt sich genau darauf. Und als wäre das nicht genug, geht Storm davon aus, dass bei der Reform auch noch die Rentenpunkte pflegender Angehöriger halbiert werden. Er warnt: Das mache aus der Herausforderung Pflege ein noch größeres Armutsrisiko. Über Lösungen, echte Entlastungen und neue Wege im System – Stillstand ist da jedenfalls keine Option. Vielleicht braucht es einfach mal den besagten Blick über den Tellerrand. Schwierig? Ja. Aber notwendig.

Die geplante Pflegereform von Gesundheitsministerin Nina Warken sieht vor, Zuschüsse für Heimbewohner später und geringer zu gewähren, was laut DAK und Gutachter Heinz Rothgang zu Mehrkosten von etwa 20.000 Euro pro Person führen könnte. Zusätzlich steht im Raum, dass Rentenansprüche pflegender Angehöriger gekürzt werden könnten, was das Armutsrisiko vieler Betroffener erhöht. Bundesweit wächst die Sorge vor einem Finanzierungsloch in der Pflegeversicherung, die derzeit bereits defizitär ist, während Experten und Verbände dringend sozialverträgliche und nachhaltige Alternativen fordern. Aktuelle Medien berichten zudem verstärkt über den Protest von Sozialverbänden, Bewohnervertretungen und laut Studien steigt die Zahl der Menschen, die den Eigenanteil fürs Heim aus eigenem Einkommen kaum noch aufbringen können. Besonders diskutiert wird, wie sich das Reformvorhaben auf die Qualität der Pflege auswirken könnte – das Risiko einer Verschlechterung gilt als real. Ein weiteres Thema: Die Herausforderungen beim Fachkräftemangel in der Pflege werden durch die geplanten Kürzungen zusätzlich verschärft, was zusätzlichen Druck auf Personal, Bewohner und Angehörige ausübt.

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