"Wenn ich die politische Debatte so anschaue, beschleicht mich das Gefühl, dass die Regierung sich ein bisschen über den Tisch ziehen lässt", sagte Jens Baas gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er meint, die Politik mache sich kleiner als sie ist und scheut offensichtlich den direkten Konflikt – dabei seien auch in Ländern wie den USA, trotz massiven Preisdrucks, die Pharmakonzerne weiterhin präsent. Baas fordert nachdrücklich: Der Sparbeitrag der Pharmaindustrie müsse bei den parlamentarischen Beratungen kräftig steigen.
Er hält die immer wieder vorgebrachte Verbindung zwischen Standortentscheidungen der Unternehmen und der Höhe der Medikamentenpreise für eine Schutzbehauptung – letztlich gehe es ums Geschäft, und Deutschland sei nach wie vor einer der lukrativsten Arzneimittelmärkte weltweit. Ein kompletter Rückzug der Hersteller? Für Baas undenkbar – zu wertvoll ist der deutsche Markt.
Daneben stört sich der Kassenchef an anderen Spielwiesen der Debatte: Die Idee, durch weniger Krankenkassen Geld zu sparen, hält er für einen populistischen Nebenkriegsschauplatz. Die Beschäftigten vor Ort kümmerten sich schließlich konkret um die Versicherten. Personaleinsparungen seien dadurch kaum realistisch. Beim Thema Gehaltsobergrenzen fürs Kassenmanagement gibt er zu bedenken: Wer mit den mächtigen Akteuren im Gesundheitswesen auf Augenhöhe verhandeln soll, kann nicht mit Alibi-Gehältern abgespeist werden. 'Nur echte Profis holen für die Beitragszahler das Beste raus,' betont Baas. Hier werde an den falschen Schrauben gedreht.
Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse, warnt, dass die Bundesregierung ihre eigene Verhandlungsmacht gegenüber der Pharmabranche unterschätzt und fordert entschiedene Sparbeiträge von der Industrie. Er kritisiert, dass Drohungen von Arzneimittelherstellern, sich aus Deutschland zurückzuziehen, übertrieben seien – der Markt sei für sie viel zu wichtig, als dass sie ihn einfach verlassen. Auch schlägt Baas vor, dass Effizienzgewinne nicht durch Kahlschlag bei den Krankenkassen zu holen sind, sondern durch kluges Verhandeln auf Management-Ebene – eine Meinung, die auch andere Kassenexperten aufgreifen; aktuelle Berichte auf deutschen Nachrichtenseiten zeichnen das Bild einer fragilen Balance aus Gesundheitskosten, Versorgungsinteressen und politischer Mutlosigkeit.