Der Kurs ist klarer denn je: "Fokus aufs Zugfahren", betont Palla (im Gespräch mit dem 'Stern') und setzt neue Prioritäten. Alles, was nicht direkt auf die Schiene einzahlt, aber bisher unter dem Dach der Bahn läuft – also so Sachen wie Mieträder (Call-a-bike) oder Carsharing à la Flinkster – steht ab sofort ganz bewusst zur Disposition. Künftig sollen solche Angebote nur noch Bestand haben, wenn sie wirtschaftlich funktionieren. Palla hält sich zu Details, wo aktuell tatsächlich Gewinne oder Verluste gemacht werden, allerdings auffallend bedeckt. Das Ziel sei aber unmissverständlich: Aus Rot muss Schwarz werden.
Ein Blick in die Zahlen zeigt: Die Bahn ist eine Art Beteiligungekrake geworden – mehr als 500 Beteiligungen stehen in der Bilanz, viele davon außerhalb Deutschlands. Erst 2023 hat der Konzern schon mal aufgeräumt: Die Logistiktochter Schenker ist verkauft, trotz ihrer Profitabilität. Gleiches gilt für das Personenverkehrsunternehmen Arriva, das den Bus- und Bahnverkehr von Großbritannien bis Italien organisierte. Der Hauptgrund? Strategieanpassung und natürlich der Druck, die hoch aufgetürmten Konzernschulden abzumildern.
Auch international zieht die Bahn die Notbremse: Großprojekte wie in Indien oder Uruguay, bisher betreut von der DB E.C.O. Group, stehen vor dem Aus. "Mittelfristig geben wir das ab", stellt Palla klar. Manchmal, so scheint's, ist weniger eben doch mehr.
Evelyn Palla verfolgt mit der Deutschen Bahn nun eine radikalere Fokussierung auf das eigentliche Kerngeschäft – den Schienenverkehr. Divestment und Konzentration auf rentable Teilbereiche sollen die DB nicht nur fit für die Zukunft machen, sondern auch die akuten Schuldenprobleme entschärfen. Schenker und Arriva sind verkauft, Randbetriebe wie Call-a-bike oder Flinkster könnten folgen. Zuletzt ist die Debatte auch im Kontext der generellen Wirtschaftslage und strukturellen Schwierigkeiten der deutschen Bahn von Interesse, etwa im Hinblick auf Sanierung, Pünktlichkeit und Attraktivität gegenüber privater Konkurrenz – Themen, die Medien und Politik kontinuierlich begleiten. Laut aktuellen Medienberichten ist die priorisierte Rückbesinnung auf einen schlankeren, effizienteren Bahnkonzern auch als Versuch zu lesen, staatliche Erwartungen, politische Kritik und schwindende Kundenzufriedenheit wieder ins Gleichgewicht zu bringen.