Kaufkraft-Ranking: Heilbronn schiebt sich überraschend an die Spitze – Offenbach Schlusslicht

Heilbronn erlebt laut einer frischen Analyse einen verblüffenden Sprung an die Kaufkraftspitze Deutschlands. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat dafür aktuelle Einkommen um lokale Preisunterschiede bereinigt ausgewertet.

heute 10:11 Uhr | 2 mal gelesen

Plötzlich liegt Heilbronn vorne – und das, obwohl die Stadt bis vor Kurzem noch eher unauffällig im Mittelfeld auftauchte. Der Grund für den momentanen Höhenflug? Neuberechnete Einkommenszahlen, insbesondere durch ungewöhnlich hohe Gewinnentnahmen aus den dortigen Betrieben. Fast die Hälfte der dortigen Bruttoeinnahmen entstehen so, während der Landesdurchschnitt in Baden-Württemberg gerade mal elf Prozent beträgt. Ganz nüchtern betrachtet profitieren davon aber letztlich wohl nur eine Handvoll Haushalte wirklich. Starnberg – nicht weit davon entfernt – landet denkbar knapp dahinter. Dort ist das durchschnittliche Jahreseinkommen pro Kopf zwar am üppigsten (über 44.500 Euro), aber die Lebenshaltungskosten fressen viel davon wieder auf: Ganze 14 Prozent teurer als der Bundesschnitt, sagen die IW-Zahlen. Raus kommt so eine „normierte“ Kaufkraft von 39.200 Euro. Interessant: Klassische Speckgürtel wie das Münchner Umland (Miesbach, Platz fünf) oder der Hochtaunuskreis bei Frankfurt (Rang acht) punkten ebenfalls im Ranking. Auf der Schattenseite: Städte mit wenig Wirtschaftskraft – Herne, Bremerhaven, Gelsenkirchen, Offenbach – bleiben abgeschlagen. Sogar Großstädte wie Hamburg, Köln, Frankfurt und Berlin rutschen wegen überzogener Mieten nach unten – Stuttgart etwa schafft es nur auf Platz 249, erst dann kommen die anderen Metropolen. München und Düsseldorf bilden hier respektable Ausnahmen. Ostdeutsche Großstädte können bei der Kaufkraft nicht wirklich mithalten; Dresden und Leipzig finden sich im hinteren Feld wieder.

Die jüngste Studie des IW zeigt erstaunliche Verschiebungen bei der Kaufkraft in deutschen Städten: Heilbronn profitiert wie keine andere Stadt von revidierten Einkommenszahlen – vor allem starke Gewinnentnahmen sorgen dort für einen Ausreißer nach oben, aber dieser Effekt kommt nur wenigen zugute. Starnberg und weitere Regionen im Umland urbaner Zentren können ebenfalls hohe Positionen verbuchen, wobei Lebenshaltungskosten die Zahlen teilweise wieder relativieren. Auffällig negativ schneiden klassische Großstädte und strukturschwache Kommunen ab, während die Schere zwischen einkommensstarken Regionen und Problemstädten weiter auseinanderzugehen scheint. Nach Recherchen aktueller Artikel wird überdies deutschlandweit eine wachsende Ungleichheit festgestellt: Trotz anhaltender Inflation steigen die realen Einkommen der Mittelschicht vielerorts kaum, besonders in den alten Industriezentren spitzt sich die Lage zu (Quelle: [Faz.net](https://www.faz.net)). Zudem zweifeln einige Experten an der Aussagekraft der Kaufkraftmessungen, da Vermögen, Mietbelastung und regionale Unterschiede kaum vollständig einbezogen werden können (Quelle: [Zeit.de](https://www.zeit.de)). Und: In Metropolen verschärft die massive Wohnungsnot die soziale Spaltung zwischen einkommensstarken Innenstadtlagen und Randgebieten (Quelle: [Sueddeutsche.de](https://www.sueddeutsche.de)).

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