Tankrabatt hilft vor allem Besserverdienenden – neue Berechnungen der RWTH Aachen

Wer richtig gut verdient, profitiert am stärksten vom geplanten Tankrabatt auf Benzin und Diesel. Haushalte mit wenig Geld haben davon weit weniger.

heute 06:52 Uhr | 2 mal gelesen

Wenn man genauer hinschaut, wie sich die abgesenkte Energiesteuer beim Tanken auswirkt, merkt man schnell: Es profitieren vor allem Menschen mit dickerem Geldbeutel. Zu diesem Ergebnis kommt eine frische Modellrechnung von Forschern der RWTH Aachen, über die auch der 'Spiegel' berichtet hat. Die Top 10 Prozent der Haushalte können sich – insgesamt betrachtet – über weit mehr Ersparnis freuen als die einkommensschwächsten zehn Prozent. Genauer gesagt: 21,64 Euro spart das reichste Zehntel über zwei Monate hinweg, während das ärmste Zehntel gerade mal auf 6,48 Euro kommt. Klar, zugegeben: Je mehr Geld im Monat reinkommt, desto mehr Sprit wird vermutlich auch verbraucht. Das klingt irgendwie logisch, auch wenn es ein bisschen bitter schmeckt. Wer monatlich fast 4.500 Euro netto verdient, ist laut dieser Statistik ganz vorne mit dabei, während jemand mit weniger als rund 1.200 Euro auf der Strecke bleibt. Der Ökonom Aaron Praktiknjo formuliert es trocken: "Es ist keine zielgerichtete Maßnahme." Sein Geständnis, dass auch er nun weniger für Sprit bezahlt, obwohl es gar nicht nötig wäre, wirkt fast entwaffnend ehrlich. Die Berechnungen seiner Arbeitsgruppe fußen übrigens auf ziemlich soliden Daten – unter anderem aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe, dem bekannten sozioökonomischen Panel, dem Mobilitätspanel sowie natürlich aktuellen Spritpreisen. Zur Erinnerung: Der Tankrabatt soll 17 Cent pro Liter brutto ausmachen (14,04 Cent plus Mehrwertsteuer). Fast wirkt das wie ein Geschenk für Ausdauerpendler mit Oberklasse-Limousine, weniger für Menschen, die ohnehin schon jeden Euro drei Mal umdrehen.

Kern der Modellrechnung der RWTH Aachen ist, dass der beschlossene Tankrabatt, der die Energiesteuer auf Benzin und Diesel für einen befristeten Zeitraum senkt, vor allem für wohlhabendere Haushalte ein spürbarer Vorteil ist. Die Studie zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen den Ersparnissen: Besserverdienende sparen ein Vielfaches gegenüber Geringverdienern, da sie schlichtweg häufiger oder weiter mit dem Auto unterwegs sind oder größere Fahrzeuge fahren. Inzwischen wird der Tankrabatt auch gesamtgesellschaftlich kritisch diskutiert, da er wenig gezielt arme Haushalte entlastet und damit soziale Schieflagen zu verstärken droht. Die aktuellsten Medienberichte und Kommentare greifen diese sozialen Fragen verstärkt auf und fordern, gezieltere Hilfen für Menschen mit geringem Einkommen zu schaffen. Im Kontext steigender Lebenshaltungskosten und deutlich erhöhter Inflation in Deutschland – aktuell oft Thema in Leitmedien – wird der Tankrabatt vermehrt als Symbol einer unausgewogenen Krisenpolitik aufgefasst.

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