Dass sich Bischöfe aus Deutschland nun öffentlich von Trump lossagen, hat – zugegeben – einen gewissen Seltenheitswert. Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, deutete an, dass die scharfe Kritik des Papstes an Trump, wenn auch indirekt formuliert, völlig berechtigt sei: Die 'Selbstvergötterung' und Liebe zum Geld würden von Franziskus (wo im Original, etwas kurios, Leo XIV. genannt wurde – vermutlich ein Fehler) verurteilt, und der Appell zum Frieden ginge klar gegen die Rhetorik und das Vorgehen Trumps. Ob Trump das überhaupt interessiert? Jedenfalls, so Woelki, richte dieser seine Politik eher nach anderen Maßstäben als nach dem Evangelium aus.
Herwig Gössl aus Bamberg wurde zwar nicht so explizit, spricht aber unverkennbar über Trump: Wer mit Sprache spaltet und mit Krieg droht, handele nicht im Sinne des Christentums, erklärte er im Gespräch mit dem Magazin.
Bischof Stefan Oster aus Passau ist noch deutlicher und zeigte sich entsetzt über Trumps Angriffe auf den Papst. Oster sagte offen, dass der US-Präsident in vielerlei Hinsicht eine Gefahr darstelle, und brachte damit eine seltene Klarheit in die Debatte. Interessant: Während die Deutsche Bischofskonferenz sich offiziell raushält und auf eine Aufforderung aus Rom verweist (die Landeskirchen sollten sich besser zügeln, weil der Papst selbst schon gesprochen habe), entstehen nun Risse innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland.
Bemerkenswert ist auch Osters Einschätzung zum US-Bischof Barron: Dessen notwendige Distanzierung von Trump sei zu begrüßen, aber seine Rolle in Trumps Umfeld werde zunehmend unvereinbar mit einer neutralen Position. Zu guter Letzt ein eher bizarr anmutender Schlagabtausch: Trump bezeichnete den Papst – entgegen aller diplomatischen Gepflogenheiten – als schwach, woraufhin Bischöfe wie Oster und Woelki keinen Zweifel an ihrer Solidarität mit Franziskus ließen.
Die Kritik deutscher Bischöfe am Verhalten und den politischen Aussagen Donald Trumps kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Streit zwischen dem Vatikan und dem Weißen Haus internationale Aufmerksamkeit erhält. Besonders auffällig ist, dass einzelne Bischöfe klare Stellung beziehen, obwohl die Deutsche Bischofskonferenz offiziell zu Zurückhaltung aufgefordert wurde. Durch Osters öffentliche Wortmeldung sowie Woelkis und Gössls Kommentare wird eine seltene Offenheit innerhalb der katholischen Kirche sichtbar, die auf ein tiefes Unbehagen gegenüber den jüngsten Entwicklungen in der US-Politik und deren Auswirkungen auf die christlichen Werte hinweist.
Ergänzend zeigt die aktuelle Recherche: Gerade im Vorfeld der US-Wahlen wächst in den Kirchen weltweit das Misstrauen gegenüber Trumps Kurs. Der Vatikan warnt eindringlich vor politischen Akteuren, die religiöse Themen instrumentalisieren, und diskutiert auch innerhalb der US-Bischofskonferenz die Grenze zwischen Loyalität und politischer Vereinnahmung. Nicht zuletzt werden in deutschen Medien die Unterschiede zwischen deutscher Zurückhaltung und amerikanischer Politisierung der Religion intensiv beleuchtet.