Man könnte fast meinen, Sigmar Gabriel, einst politisches Schwergewicht der SPD, und Thomas de Maizière, Urgestein der CDU, würden beim Frühschoppen nur ihren Frust abladen – aber in Wirklichkeit steckt wohl mehr dahinter. In der ‚Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung‘ bemängelten beide eine Art Unordnung in der Regierungsmaschinerie: Für Gabriel landet alles ungelöst beim Kanzler, was eigentlich vorher schon geschluckt oder zurückgeschoben worden wäre. Kein Filter arbeitet, Dinge, die unpraktikabel sind, schaffen es bis ins Kabinett und werden dann erst in großer Runde verrissen. Und am Ende steht Merz (CDU) wie auf dem Schulhof da, als hätte er jedes Problem verschuldet. De Maizière sieht das Thema Disziplin: Es wird wenige überraschen, dass viele auf mittleren Ebenen scheinbar lieber auf eigene Rechnung handeln, Hauptsache, im innerparteilichen Wettbewerb gewinnt die eigene Farbe – der Rest interessiert die Menschen draußen wenig. Ihn wundert das kaum, am Ende zählt, ob überhaupt Ordnung einkehrt oder nur Chaos regiert. Gabriel regt sich außerdem über den Spruch von Merz auf, er habe so viel Gegenwind wie kein Kanzler vor ihm abbekommen. Was hätten wohl Altkanzler wie Willy Brandt dazu gesagt, so Gabriel? Fazit der beiden: Heute ist Politik ohnehin ein Minenfeld. Die Weltlage drückt, Grabenkämpfe im Bundestag sind Alltag, die Stimmung wird schneller aufgeheizt als ein Wasserkocher. De Maizière seufzt: Früher war das einfach überschaubarer – heute fühlen sich selbst kleine Fehltritte an wie ein Skandal auf offener Bühne.
Gabriel und de Maizière attackieren die aktuelle Regierungsriege scharf wegen mangelnder Sorgfalt, fehlender Disziplin und fehlendem Verantwortungsbewusstsein. Während Gabriel hervorhebt, dass selbst unrealistische Vorschläge inzwischen bis zum Kanzler durchgereicht werden, setzt de Maizière einen Schwerpunkt auf die mangelnde Geschlossenheit bei der Kommunikation. Beide betonen die gestiegenen Herausforderungen: Internationale Krisen und eine toxische Skandalisierungskultur lassen Regieren heute zerbrechlicher wirken als in früheren Zeiten. Hinzu kommt: Die Bundesregierung gerät immer öfter wegen schleppender Gesetzesvorhaben, streitender Minister und mangelnder Kompromissbereitschaft in die Kritik, wie in den letzten Tagen auch in vielen Kommentaren – unter anderem auf Zeit Online und der Süddeutschen – vermerkt wurde. Ergänzend ist auffällig, dass regelmäßig parteiinterne Grabenkämpfe an die Öffentlichkeit dringen und der koalitionsinterne Ton insgesamt rauer geworden ist – was das Regierungshandeln weiter belastet.