Kaltstart ins Jahr und trotzdem: Das Bundeswirtschaftsministerium unter Leitung von Katherina Reiche (CDU) nennt die aktuelle Wirtschaftslage »vergleichsweise robust« – trotz aller dunklen Wolken, die sich über den Nahen Osten und damit über die internationalen Märkte gelegt haben. Die monatliche Einschätzung, veröffentlicht am Freitag, spricht von einer soliden Aktivität zu Jahresbeginn; immerhin habe die Wirtschaft die jüngste Eskalation des Nahost-Konflikts bis dato gut weggesteckt. Es gibt allerdings einen kleinen Haken: Wie vergangenes Jahr, als US-Zölle für Unruhe sorgten, könnten manche Unternehmen einfach schneller bestellt haben, um möglichen Preissteigerungen oder Engpässen zuvorzukommen. Jedenfalls sind im März die Auftragseingänge, besonders bei den Vorleistungsgütern – also allem, was Betriebe brauchen, um daraus neue Produkte zu machen – weiterhin auffällig stark gestiegen. Klingt erstmal nach Optimismus, jedenfalls für den Moment. Über das Quartalsende hinaus zeichnen sich aber zunehmend Wolken am Konjunkturhimmel ab: Spürbare Abkühlung, sagen die Frühindikatoren, und dabei scheint insbesondere der Iran-Krieg für einen kräftigen Dämpfer bei der Stimmung in Unternehmen zu sorgen. Die Sorge vor explodierenden Energiepreisen und gestörten Lieferketten drückt speziell auf Industriebetriebe wie die Chemiebranche, andere Branchen, etwa der Dienstleistungssektor, bekommen die Nervosität angesichts steigender Inflation und der Unklarheit über den weiteren Verlauf des Konflikts ebenso zu spüren. Nachfrage und Geschäftserwartungen leiden – das Ministerium macht sich da nichts vor, wie es am Freitag heißt.
Das Bundeswirtschaftsministerium bewertet die wirtschaftliche Verfassung Deutschlands noch als robust – auch im Angesicht anhaltender geopolitischer Krisen, darunter die Zuspitzung im Nahen Osten. Bisher zeigten sich zumindest Kurzfristeffekte wie höhere Auftragseingänge, da Firmen Engpässen zuvorkommen wollen. Gleichzeitig besteht jedoch erhebliche Unsicherheit: Wirtschaftssignale wie Stimmungsindices verschlechtern sich, was für viele Branchen – vom Verarbeitenden Gewerbe bis zu Dienstleistungen – zu einem deutlichen Dämpfer wird. Hinzu kommen Inflationsängste, die wachsende Importkosten und Konsumzurückhaltung befeuern. Die nächste Zeit bleibt also angespannt; wie weitreichend die wirtschaftliche Abkühlung wird, ist noch offen.