In den kommenden Tagen wird es ernst für die Bieter, die bei VW um Everllence – früher MAN Energy Solutions – im Rennen sind. Laut Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" werden verschiedene Interessenten diese Woche persönlich ihre Vorstellungen dem Management vorstellen. Heute, am Freitag, stehen zudem noch Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern aus den Gewerkschaften auf der Agenda. Die konkreten Gebote für die Übernahme sollen voraussichtlich Anfang übernächster Woche eingereicht werden, also ziemlich genau nach der Hauptversammlung von Volkswagen am 18. Juni. Eine Entscheidung darüber könnte schon kurz darauf und jedenfalls noch vor dem 20. Juli – Beginn der Werksferien – getroffen werden. Das Preisschild, so schätzt man, liegt bei rund 8,5 Milliarden Euro.
Im Wettbewerb stehen dem Vernehmen nach die Private-Equity-Häuser CVC, Bain und EQT, wobei EQT gemeinsam mit der Porsche SE sowie dem Aktionär Qatar als ungewöhnliche Allianz ins Rennen geht. Everllence bildet die frühere MAN-Schiffsmotoren-Sparte von Volkswagen ab, die zuletzt unter einer anderen Marke zwischengeparkt war. VW beabsichtigt, nur noch 49 Prozent zu halten. Aktuell äußern sich die Wolfsburger ebensowenig zum Stand der Verhandlungen wie die konkurrierenden Investoren.
Bemerkenswert ist, dass nicht nur der Kaufpreis den Ausschlag für die Entscheidung gibt. Im Kontrollgremium von VW sitzen mehrere Vertreter der Großaktionäre, doch laut Branchenkreisen werden sechs von ihnen, aufgrund möglicher Interessenskonflikte, bei der entscheidenden Abstimmung gar nicht mitvotieren – was den Auswärtigen vielleicht einen Vorteil verschafft. Man sieht: Bei Deals dieser Größenordnung spielen Nuancen, überraschende Allianzen und durchaus auch persönliche Netzwerke mit hinein. Kurioserweise schweigt ausgerechnet der Hauptakteur, VW. Mit dem Rest an Spannung und Unsicherheit aber kennt sich die Traditionsmarke aus.
Der Verkaufsprozess der VW-Tochter Everllence, die ehemals als MAN Diesel & Turbo beziehungsweise MAN Energy Solutions bekannt war, spitzt sich weiter zu. Drei große Beteiligungsgesellschaften – CVC, Bain und das Konsortium um EQT, Porsche SE und Qatar – sind noch im Rennen, wobei ungewöhnliche Allianzen die Komplexität steigern. Die finale Entscheidung, die nicht allein am Preis festgemacht wird, dürfte nach aktuellem Stand schon bald nach der Hauptversammlung am 18. Juni fallen – und dies vor dem Hintergrund eines hochkomplexen Geflechts verschiedener Interessenvertreter im VW-Aufsichtsrat.
Erweiterte Informationen aus aktuellen Recherchen ergeben, dass der Umbau von VW hin zu klimafreundlicheren Technologien ein Grund für die Trennung von der klassischen Schiffsmotorensparte ist. Trotzdem bleibt die endgültige Entscheidung – ob VW tatsächlich einen strategischen Käufer oder ein Finanzkonsortium wählt – weiterhin offen, da es im Hintergrund teils heftige Diskussionen um die künftige Ausrichtung und die Sicherung von Arbeitsplätzen gibt. Betriebsräte und Gewerkschaften begleiten den Prozess kritisch, nicht zuletzt wegen der unsicheren Zukunft für mehrere Standorte. Außerdem wird Everllence nach Schätzung von Branchenexperten durch die Umstellung auf nachhaltigere Schiffantriebe im Markt an Wert gewinnen, was für die anhaltende Spannung sorgt.