Rüstungsprofi Haun soll beim FCAS-Projekt zwischen Berlin und Paris vermitteln

Als letzten Rettungsversuch im deutsch-französischen Kampfjet-Programm FCAS setzt Kanzler Friedrich Merz nun auf den erfahrenen Manager Frank Haun, um das festgefahrene Projekt doch noch vor dem Aus zu bewahren.

heute 13:29 Uhr | 4 mal gelesen

Laut einer aktuellen SPIEGEL-Meldung soll Frank Haun, einstiger Vorstand von Krauss-Maffei Wegmann (KMW), im Auftrag von Kanzler Merz einen frischen Anlauf nehmen, um die verhärteten Fronten im FCAS-Projekt aufzuweichen. Er übernimmt dabei die Rolle eines Vermittlers – übrigens nicht allein, sondern zusammen mit einem französischen Kollegen – und ist damit in der undankbaren, aber auch entscheidenden Position, zwischen den streitenden Industriepartnern Airbus (Militärsparte) und Dassault Aviations eine Art 'letzte Brücke' zu schlagen.
Das FCAS-Projekt, ein langgehegtes Prestigevorhaben für eine europäische Luftwaffen-Zukunft, steuert nämlich gefährlich auf eine Eisbergkollision zu. Merz hat Paris' Präsident Emmanuel Macron schon mehrfach gedrängt, endlich eine tragfähige Lösung ins Auge zu fassen, doch bislang ohne eindeutigen Durchbruch. Die deutsch-französischen Spannungen spiegeln sich im Klein-Klein der Entwicklungsdetails wider; manchmal wirken sie fast wie ein Spiegelbild der grundsätzlich schwierigen Beziehungen. Haun allerdings – das betonen Eingeweihte – bringt das Handwerkszeug mit, um wenigstens neue Schnittmengen zu identifizieren: Er kennt nicht nur die deutsche, sondern auch die französische Perspektive aus erster Hand, dank seines Engagements beim Zusammenschluss von KMW und Nexter. Ironischerweise hat die Vergangenheit ihm also ziemlich genau jene „Hornhaut“ verschafft, die es für diese Aufgabe wohl braucht.
Zur französischen Seite gesellt sich Laurent Collet-Billon, der als Ex-Rüstungsdirektor des Staates nicht nur Haun, sondern auch die spezifischen Fallstricke transnationaler Projekte kennt: Wer bei der zähen Geburt von Airbus A400M dabei war, weiß, dass Scheitern manchmal zum Geschäft gehört – und dass ein bisschen 'Rettungsmission' oft zu jedem Großprojekt dazugehört.

Das deutsch-französische FCAS-Projekt zur Entwicklung eines künftigen Kampfflugzeugs steckt weiterhin in großen Schwierigkeiten; Streitigkeiten um Industrieanteile, technische Vorrechte und nationale Interessen führen immer wieder zum Stillstand. Der langjährige Manager Frank Haun wurde von Bundeskanzler Merz als Vermittler benannt, um zusammen mit dem französischen Experten Laurent Collet-Billon einen Ausweg aus der festgefahrenen Situation zu finden. Aktuell ist unklar, ob die beiden erfahrenen Rüstungsexperten das angeschlagene Vorzeigeprojekt noch retten können – viele Branchenbeobachter sind skeptisch, ob ohne grundlegende Kompromisse beider Seiten überhaupt noch ein echter Durchbruch möglich ist. In den letzten 48 Stunden sind weitere Details bekannt geworden: Laut FAZ gab es intensive Gespräche hinter den Kulissen beider Regierungen, in denen die politischen Leitlinien für eine mögliche Rettung des Programms abgesteckt wurden. Mehrere Medien (z.B. Süddeutsche und Zeit) berichten von zunehmendem Druck aus der Industrie: Vor allem der französische Hersteller Dassault soll angeblich drohen, das Projekt bei ungelösten Streitpunkten auslaufen zu lassen. Neu ist auch, dass die NATO-Fähigkeiten als Argument für eine Fortsetzung des FCAS von mehreren Seiten ins Spiel gebracht werden, da andernfalls europäische Staaten weiter auf nicht-europäische (meist US-amerikanische) Systeme angewiesen blieben.

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