Deutsche Wirtschaftsprognosen eingedampft: Institute rudern zurück

Statt Aufschwung jetzt nur noch ein laues Plus: Deutschlands führende Wirtschaftsforschungsinstitute blicken skeptischer auf 2024. Wie schnell sich Erwartungen ändern können – ein aktueller Einblick.

heute 13:28 Uhr | 6 mal gelesen

Kurios eigentlich, wie Zahlen Geschichten erzählen. Fünf große Institute – das RWI Essen, DIW Berlin, Ifo München, IWH Halle und das Kiel-Institut – haben ihre Einschätzung zur deutschen Wirtschaft quasi auf Stand-by geschaltet. Für 2024 erwarten sie nur noch rund 0,6 Prozent Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt (BIP), wie das "Handelsblatt" schon vorab vermeldet. Noch vor einem halben Jahr war annähernd das Doppelte drin – beinahe eine ironische Fußnote im Prognosen-Geschäft. Der Grund für die plötzlich viel trüberen Aussichten? Kriegsängste rund um den Iran, extrem teure Energieimporte, vor allem Gas und Öl. Die offizielle "Gemeinschaftsdiagnose" wird dem Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch auf den Tisch gelegt. Für 2027 bleibt ebenfalls der Dämpfer: Nur um ein Prozent soll das BIP zulegen. Klar, bis zur Veröffentlichung sind kleine Anpassungen noch möglich. Aber das Licht am Ende des Tunnels bleibt vorerst schwach – zumindest nach Meinung der Forschenden.

Die führenden Wirtschaftsinstitute Deutschlands – nämlich RWI, DIW, Ifo, IWH und das Kiel-Institut – haben ihre Wachstumserwartungen für 2024 merklich abgesenkt und rechnen lediglich mit einem Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent; noch im Herbst 2023 prognostizierten sie 1,3 Prozent. Die Hauptgründe für die Abkühlung sind geopolitische Unsicherheiten, insbesondere infolge des Nahostkonflikts, und weiter steigende Energiepreise, die deutsche Unternehmen und Privathaushalte gleichermaßen treffen. Ganz neu sind diese Töne nicht: Auch andere internationale Organisationen wie der IWF und die OECD hatten wegen schleppender Investitionen, Konsumzurückhaltung und teurer Energie ihre Erwartungen zuletzt nach unten korrigiert. Nach Recherchen auf aktuellen Nachrichtenseiten halten sich die negativen Aussichten für den Standort Deutschland: Wirtschaftsverbände und Experten sprechen von Investitionszurückhaltung und wachsender Unsicherheit in Schlüsselbranchen wie Industrie, Automobil und Bau. Die Bundesregierung steht damit wohl weiter unter Druck, um entlastende Maßnahmen und Investitionsanreize auf den Weg zu bringen.

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