Wer hätte gedacht, dass der Karlsruher Frühling seinen eigenen Soundtrack bekommen würde? Rupert Enticknap, 1986 geboren und ohnehin für akustische Abenteuer berüchtigt, hat sich kopfüber in die alemannische Fastnacht gestürzt und daraus verdichtete Klangkunst gemacht. Seine noch unveröffentlichte Produktion 'Die fünfte Jahreszeit' überzeugte die Jury des Südwestrundfunk: Mit einer Collage aus live improvisierten Geräuschen – alles auf CDJ-Geräten zusammengeschraubt, ohne jeden Schnitt – schafft Enticknap eine bizarre, beinahe ekstatische Annäherung ans traditionelle Brauchtum. Das Feld der Klänge reicht von aufgeschnapptem Gelächter bis hin zu Kuckucksuhren-Idiosynkrasien, und irgendwo zwischen teilnehmender Beobachtung und distanziertem Zuhören wird das Ganze zu einer ganz eigenen Art von Reportage.\n\nAuch die Förderpreis-Gewinnerin lässt aufhorchen: Khrystyna Kirik, Jahrgang 1995, bringt mit ihrer viergeteilten Komposition 'State of Latitude' die natürlichen und historischen Schichten ihrer ukrainischen Heimatlandschaften direkt ins Ohr. Statt Natur bloß als Hintergrundkulisse zu behandeln, füllt sie sie mit Bedeutung – gerade angesichts der bewegten Gegenwart und Vergangenheit im ukrainischen Kontext. Klänge wandern um die Zuhörenden, und was anfangs wie eine Landschaftsbeschreibung wirkt, entpuppt sich als feinfühliger, sehr gegenwärtiger Kommentar zum Verhältnis von Natur, Geschichte und Krieg.\n\nDiese beiden Werke wurden aus über hundert Einsendungen aus 29 Ländern ausgewählt. Die Jury – unter Vorsitz von Olaf Nicolai, flankiert von Fachleuten wie Inke Arns und Thomas Meinecke – hatte einiges zu tun: 101 Stücke von insgesamt 108 Bewerberinnen und Bewerbern, darunter viele freie Produktionen, aber auch Beiträge namhafter Rundfunkanstalten. Der Karl-Sczuka-Preis, seit 1955 vergeben und benannt nach dem legendären Hauskomponisten aus den Gründertagen des SWF, behält damit seinen Ruf als die vielleicht spannendste Auszeichnung für experimentelle Radiokunst.\n\nWer sich mehr visuelle Eindrücke und Zusatzinfos holen will: Der SWR stellt online Material sowie Kontaktmöglichkeiten bereit – und manchmal lohnt es sich, das Offensichtliche mitzulesen.
Rupert Enticknap gewinnt den Karl-Sczuka-Preis 2026 für sein experimentelles Soundstück 'Die fünfte Jahreszeit', das sich mit Feldaufnahmen und Live-Improvisation der alemannischen Fastnacht nähert. Die Jury lobt besonders die subjektive, spielerische Auseinandersetzung mit kulturellem Brauchtum sowie die innovative Echtzeit-Komposition. Khrystyna Kirik erhält den Förderpreis für ihre vierteilige Komposition 'State of Latitude', die ukrainische Naturräume angesichts gegenwärtiger Veränderungen reflektiert – ein Ansatz, der angesichts des Ukraine-Krieges relevant und künstlerisch herausragend erscheint.\n\nLaut Berichterstattung der letzten 48 Stunden rückte insbesondere die Bedeutung des Karl-Sczuka-Preises als internationaler Treffpunkt für klangforschende Künstler:innen in den Vordergrund. Mehrere Artikel heben hervor, dass nachwachsende Generationen mit neuen, oft politischen Impulsen die Radiokunst-Szene prägen. Zugleich verweist die Jury auf eine bemerkenswerte Menge und Vielfalt der Einreichungen, was auf die anhaltende Relevanz experimenteller Klangkunst hindeutet.