Anschläge auf zentrale Lebensadern
Benjamin Arnold und Albrecht Radon, die Autoren der MDR-Reportage, tauchen tief ein in das Thema: Sie rekonstruieren eine Kette von Angriffen auf Stromleitungen, Bahninfrastruktur und Fabriken, etwa im südlichen Berlin bis nach Brandenburg hinein. Die Protagonisten, stets anonym, veröffentlichen Erklärungen und rechtfertigen sich mit Umwelt- und Kapitalismuskritik. Die Konsequenzen ihrer Aktionen sind weitreichend: Pflegeheime stehen ohne Strom da, Firmen schreiben Verluste in Millionenhöhe. Es geht um viel mehr als Sachschaden – es trifft zahllose Unbeteiligte, die plötzlich im Dunkeln sitzen.
Trotz massiver Fahndungserfolge, Durchsuchungen, langwierigen Ermittlungen bleibt die Gruppe verborgen. Ermittlungsbehörden, Politik und selbst Journalistinnen und Journalisten stoßen an ihre Grenzen. Die Macher der Doku sprechen mit Expertinnen im Bereich Extremismus, Einsatzkräften, Aussteigerinnen aus der Szene – und versuchen, in die abgeschottete Welt der sogenannten Vulkangruppen vorzudringen. Mithilfe forensischer Linguistik werden Bekennerschreiben auf ihren Ursprung durchleuchtet.
Spannungsfeld zwischen Protest und Gewalt
Der Film rollt auch die Frage auf, wie die Ideologie der Gruppen sich verändert hat – hin zu radikalen Narrativen, die mit Teilen der Klimabewegung verschmelzen, an anderer Stelle aber entgleisen. Die Grenze zwischen zivilem Protest und blankem Vandalismus ist Thema: Historische Beispiele und neuere Bewegungen werden in Zusammenhang gestellt.
In einem gesicherten Selbstversuch testen die Reporter, wie leicht vermeintlich geheime Sabotage-Anleitungen aus dem Internet tatsächlich anzuwenden sind – mit alarmierendem Ergebnis. Schlussendlich bleibt die Frage: Wie gut sind wir auf solche Angriffe vorbereitet, und wie gehen wir mit der Verfügbarkeit von Wissen über Zerstörung im Netz um?
Ausstrahlungszeiten: Ab 15. Juni 2026 in der ARD Mediathek sowie auf YouTube, und am 17. Juni im MDR Fernsehen zur Primetime (20:45 Uhr).
Kontakt für Presseanfragen: MDR Mediendesk, Tel.: (0341) 3 00 64 55, Mail: kommunikation-desk@mdr.de
Die MDR-Reportage beleuchtet die Form der politischen Sabotage, wie sie aktuell in Deutschland von Gruppen wie den 'Vulkangruppen' gesehen wird. Sie verdeutlicht, dass durch gezielte Anschläge auf Energieversorgung und Industrieanlagen nicht nur Infrastruktur, sondern auch das Sicherheitsgefühl in der Gesellschaft erschüttert wird. Man merkt, wie hartnäckig der Zugriff auf diese Szene für Behörden bleibt – vor allem, weil ideologische Beweggründe häufig verschleiert und die Täter äußerst professionell agieren. Interessanterweise lässt sich eine Schnittstelle zu radikalisierten Teilen der Umweltbewegung erkennen: Während friedliche Klimaproteste um Verständnis werben, laufen andere bereits Gefahr, in den Bereich des Extremismus zu rutschen. In den letzten Monaten nahmen laut Medienberichten die politisch motivierten Angriffe auf Einrichtungen der Daseinsvorsorge in Europa insgesamt zu – ein Teil davon wird antifaschistischen oder ökologisch motivierten Sabotagegruppen zugeschrieben. Angriffe auf Bahn- und Stromleitungen sind aber nicht nur in Deutschland ein Problem, sondern betreffen inzwischen zahlreiche europäische Länder. Ganz aktuell zeigen neue Debatten, dass Politik und Sicherheitsbehörden vor allem auf bessere Prävention und Cybersicherheit setzen, aber auch ein gesellschaftlicher Diskurs um die Grenze zwischen Protest und Terrorismus dringlicher denn je ist – etwa nach jüngsten Vorfällen in Frankreich und Italien.