Was Brantner besonders missfällt: Die vermeintlichen Glückwünsche an Donald Trump nach dem Deal. "Was sollte man daran feiern?", fragt sie – und knüpft daran die Forderung, Deutschland solle aufhören, sich mit Anbiederungen an die Linie der USA schwer zu tun. Ihrer Meinung nach schreit die aktuelle Situation förmlich nach einer neuen, wirklich unabhängigen europäischen Strategie. "Solange wir unsere Sicherheit immer wieder nach Laune eines US-Präsidenten ausrichten, sind wir nicht wirklich handlungsfähig", legt Brantner nach. Im Kern plädiert sie für einen echten europäischen Weg: eine Verteidigungsunion, weniger US-Abhängigkeit, mehr Eigenständigkeit. Nicht über Nacht, klar, aber zumindest muss der Anfang gemacht werden.
Franziska Brantner, Vorsitzende der Grünen, übt massive Kritik am aktuellen Iran-Abkommen, das unter Vermittlung der USA zustande kam und von Kanzler Merz als politischer Triumph verkauft wird. Sie wirft der Bundesregierung und speziell Merz Realitätsferne vor – unter anderem, weil durch das Abkommen lediglich ein von Trump gestarteter Konflikt vorläufig beendet, jedoch nicht gelöst wurde. Nach aktuellem Stand (Juni 2024) herrscht Debatte darüber, ob der sogenannte 'Deal' Europas strategische Autonomie weiter untergräbt: Während Teile der Bundesregierung die erzielte Waffenruhe loben, fordern andere, darunter auch führende Stimmen der Grünen und verschiedener europäischer Thinktanks, endlich entschlossene Schritte zu mehr europäischer Eigenständigkeit in diplomatischen wie sicherheitspolitischen Themen. In deutschen und internationalen Medien wird dies ähnlich diskutiert, teils mit Blick auf die drohende Instabilität im Iran nach dem Deal, teils mit Mahnungen vor einer zu starken Annäherung an den unberechenbaren Stil Trumps, der Europas Interessen nicht umfänglich vertrete.