Bereits zum zweiten Mal binnen weniger Monate ist die Graefestraße Schauplatz eines solchen Dramas. Erinnerungen an den März werden wach, als dort zwei Männer auf einen 23-Jährigen schossen. Auch damals flohen die Täter. Im Mai schließlich dann sogar ein Unbekannter auf einem Elektro-Scooter, der aus voller Fahrt das Feuer eröffnete. Später folgten weitere Schüsse – teils an der Urbanstraße und sogar in Reinickendorf. Inzwischen ermittelt das Landeskriminalamt mit seiner 2. Mordkommission. Fest steht bislang: Die Fahndung nach den Tätern läuft, aber von den Schützen fehlt weiterhin jede Spur.
Ob diese Vorfälle miteinander zusammenhängen, lässt sich momentan nur mutmaßen. Man kann sich jedenfalls des Eindrucks nicht erwehren, dass sich eine gewisse Unruhe breitmacht. Es sind diese kleinen Details, die nachdenklich stimmen – die bleibenden Unsicherheiten, das flaue Gefühl, wenn man an einem lauen Abend an einem scheinbar harmlosen Café vorbeigeht.
Der Schusswaffenvorfall vom Freitagabend in der Graefestraße ist nur ein weiterer Punkt auf der beunruhigenden Liste ähnlicher Ereignisse in Berlin-Kreuzberg. Ein 22-jähriger Mann wurde vor einem Café angeschossen, konnte aber nach einer schnellen Notoperation gerettet werden und gilt nun als außer Lebensgefahr. Die Polizei setzt ihre Ermittlungen fort, Parallelen zu früheren Schießereien in derselben Gegend lassen aber die Gefahr eskalierender Gewalt aufkommen — ein Muster, das Beobachter und Anwohner zunehmend besorgt. Ergänzend zu den aktuellen Informationen haben verschiedene Medien kürzlich auf die wachsende Sorge um sogenannte Clan-Kriminalität und Bandenrivalitäten im Berliner Großstadtmilieu hingewiesen. Auch wird angemerkt, dass die Polizeipräsenz zwar verstärkt wurde, Anwohner jedoch weiterhin ein erhöhtes Unsicherheitsgefühl angeben. Darüber hinaus setzen sich Politik und lokale Initiativen momentan verstärkt für Präventionsangebote und Dialogveranstaltungen ein, um die sich häufenden Gewalttaten einzudämmen.