Sechs ZDF/ARTE-Koproduktionen mischen Cannes auf – deutsche Filmszene stark vertreten

Kurz vor dem Startschuss für Cannes sind auch dieses Jahr gleich mehrere Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum an Bord. Insgesamt sechs Filme, die das ZDF und ARTE gemeinsam auf die Beine gestellt haben, gehen in den Wettbewerb und in spezielle Sektionen. Mit Eigenarten, Talent und manchmal ziemlich rauen Geschichten beweisen deutsche Filmemacher:innen, wie vielfältig sie die große Leinwand bespielen können.

heute 15:05 Uhr | 2 mal gelesen

Marie Kreutzers 'Gentle Monster' wirbelt gleich im Hauptwettbewerb mit. Im Zentrum: Zwei Frauen, die in einer Mischung aus Pflichtgefühl, Trotz und, naja, ein bisschen Selbstvergessenheit ihr Leben an Männern ausrichten. Zwischen abgelegener Idylle und drückender Realität manövrieren Lucy und Elsa durch ihre eigenen Sackgassen – immer so ein bisschen am Rand des Nervenzusammenbruchs. Dann: 'Das geträumte Abenteuer' von Valeska Grisebach, irgendwo zwischen archäologischer Entdeckungsreise und halblegalen Benzingeschäften an der bulgarisch-türkischen Grenze. Die Spannung ist subtile, fast zähe Realität: Was macht man, wenn die Loyalität in Richtung Freundschaft, Abenteuer und die Ansprüche der Unterwelt zerrt? Und dann ist da noch 'Minotaurus': Regisseur Andrei Zvyagintsev braucht keine Effekthascherei, um zu brennen. Er begibt sich mit seinem Film mitten in die raue russische Businesswelt, und wie der Ukraine-Krieg Leben aus den Fugen reißt, das bleibt nach dem Abspann hängen – ein eiskalter Blick auf Macht, Verlust und die fragile Moral. In der Kategorie 'Un Certain Regard' läuft 'Everytime' von Sandra Wollner. Drei Menschen, darunter eine Mutter und Tochter, taumeln über die Grenzen der Erinnerung hinweg nach Teneriffa. Ob es diesen Familienurlaub je gab? Hauptsache, es fühlt sich an wie Sonne auf der Haut und Schatten im Kopf. Danach: 'Elephants in the Fog', dieses ungewöhnlich poetische Drama von Abinash Bikram Shah. In Nepal, zwischen dichten Wäldern und den uralten Pfaden wilder Elefanten, kämpft die Matriarchin Pirati mit Sehnsucht und Pflichtbewusstsein, als eine ihrer Töchter verschwindet. Man fühlt das Ziehen zwischen Aufbruchswunsch und Verantwortung wie Spuren im Schlamm. Und Volker Schlöndorff hat noch einen draufgesetzt: 'Heimsuchung', die filmische Umsetzung von Jenny Erpenbecks Roman, feiert als Cannes-Premiere Welturaufführung. Verschiedene Lebenswege prallen an einem idyllischen Seegrundstück aufeinander – Fluch und Hoffnung. Die Spuren der Geschichte, sie winden sich wie Wind am Wasser durch die Zeit.

Auch dieses Jahr ist das ZDF gemeinsam mit ARTE in Cannes außerordentlich präsent: Sechs Koproduktionen schlagen in verschiedenen Sektionen des renommierten Filmfestivals auf – auch, oder gerade weil sie sich thematisch und atmosphärisch stark voneinander unterscheiden. Es geht erneut darum, gesellschaftliche Umbrüche, persönliche Krisen, aber auch globale Konflikte wie den Ukraine-Krieg filmisch greifbar zu machen. Im Reigen von persönlichen Dramen, Familienschicksalen und politischen Grenzerfahrungen spiegeln die Filme eine bemerkenswerte Bandbreite der Gegenwart wider. Nach aktueller Recherche steht Cannes 2024 nicht nur unter dem Zeichen der großen Leinwand, sondern auch unter politischer Beobachtung: Mehrfach wurde über ein erhöhtes Sicherheitsaufkommen und die Präsenz von Streaminganbietern berichtet. Ferner wächst der Fokus auf politische Statements vieler Filme, die explizit Themen wie Krieg, Geschlechterrollen und Identität in den Mittelpunkt rücken. Zugleich wird die wachsende Kooperation mit europäischen Sendern als starker Impuls für neue Filmideen gewertet. Besonders auffällig ist laut 'Die Zeit' das Comeback bekannter Filmemacher:innen und das Debüt starker politischer Stoffe direkt im Wettbewerb. Damit setzen die diesjährigen ZDF/ARTE-Werke nicht nur künstlerische, sondern auch gesellschaftspolitische Akzente. (Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2024-05/cannes-filmfestival-2024-kritik, https://www.spiegel.de/kultur/cannes-filmfestival-2024-auftakt-mit-glamour-und-politik-a-54cfe8e1-6e23-46b0-9ab6-25bb3d4e81e5, https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/cannes-filmfestival-2024-politisch-wie-nie-und-mit-mehr-glamour-19519502.html)

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