Nicht Wegschauen: Mut zur Verantwortung in der Bildung

Baden/St. Pölten – Eine bemerkenswerte Tagung fand am 7. April 2026 im Ostarrichi-Saal in St. Pölten statt. Unter dem Motto „Nicht wegsehen, sondern mit Haltung, Blick für Stärken und echtem Handeln agieren“ arbeiteten die Pädagogische Hochschule Niederösterreich, die Bildungsdirektion NÖ sowie das Land Niederösterreich gemeinsam an Perspektiven für präventive Bildung und sozialen Zusammenhalt.

heute 15:01 Uhr | 4 mal gelesen

Mal ehrlich: Im pädagogischen Alltag wird zu oft einfach an Missständen vorbeigeschaut. Genau das wollte die Tagung „Nicht wegschauen – Haltung zeigen. Stärken entdecken. Handeln.“ aufbrechen. Brigitte Schuckert von der Bildungsdirektion NÖ formulierte es mit überraschender Klarheit: Schulen sind keine Inseln, sondern Brennpunkte gesellschaftlicher Entwicklung. Nicht selten kreuzen sich dort heute Verantwortung, pädagogischer Feinsinn und sozialer Schutz. Petra Heißenberger (PH NÖ) lenkte den Blick auf die konkrete Frage: Wo müssen wir im Schulalltag genauer hinschauen, und worin besteht mutiges pädagogisches Handeln wirklich? Später sprach Patrizia Jankovic (BMB) unverblümt über Haltung als Prozess – verwoben mit Unsicherheiten, gesellschaftlichem Rückenwind oder Gegenwind. Es waren keine Pauschallösungen, sondern Nachdenkimpulse: Verantwortung bemisst sich gerade dort, wo Schweigen bequemer, Zuhören aber wichtiger wäre. Simon Březina (White Ribbon Österreich) schilderte eindrücklich, wie Jungen, bereits ab Grundschulalter, unter dem Korsett einengender Männlichkeitsbilder leiden – was oft in destruktiven Mustern oder Aggressionen mündet. Fast zwischendurch, und doch bedrückend aktuell, verknüpfte die Psychologin Jasmina Eifert digitale Risiken wie Essstörungsgemeinschaften (Pro Ana) und das Phänomen „764“. Auch wenn diese Szenen auf den ersten Blick unterschiedlich wirken, vereinen sie gefährliche Mechanismen von Selbstgefährdung, gruppendynamischer Abgrenzung und Online-Vernetzung. Der finale Impuls von Thomas Herdin (Uni Salzburg) schlug in eine neue Kerbe: Der Stress digitaler Überfrachtung und die Kunst der Selbstfürsorge. Sein Plädoyer für einen Wandel von Resilienz zu Prosilienz – eigentlich ein sperriges Wort, aber einleuchtend: Mentale Stärke muss proaktiv aufgebaut werden, etwa durch gezielte Atemübungen oder das bewusste Setzen von (digitalen) Pausen. Was bleibt? Haltung ist kein Banner, sondern eher ein innerer Kompass, gerade wenn Unsicherheit herrscht. Die begleitende Fachmesse und der lebendige Austausch rundeten ab, was als Auftakt für ein tieferes Nachdenken über Verantwortlichkeit, Mut und Mitmenschlichkeit gilt.

Die Tagung unterstrich, wie elementar es ist, im schulischen Kontext nicht wegzusehen, sondern uns als Pädagog*innen ihrer Vorbildfunktion bewusst zu werden. Referentinnen und Referenten zeigten an Beispielen – von Männlichkeitsstereotypen bis zu digitalen Risikosphären –, wie dringend ein wacher Blick für individuelle wie strukturelle Probleme nötig ist. In Österreich (und übrigens auch in den Nachbarländern) wird der Ruf nach mehr Haltung, Prävention und Resilienz pädagogisch wie auch politisch lauter, gerade in Zeiten sozialer Spaltungen, wachsender digitaler Herausforderungen und psychischer Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. Nach Ansicht von Fachleuten ist es besonders wichtig, Lehrende in Sachen Diskriminierungssensibilität sowie gesunder digitaler Umgang zu qualifizieren – das belegen zahlreiche internationale Initiativen, etwa WHO-Programme zur Suizidprävention an Schulen oder bundesweite Fortbildungen gegen Cybermobbing, die in Deutschland und Österreich in den letzten Monaten verstärkt angeboten werden. Interessant ist, dass die Debatte um professionelle Haltung gerade jetzt, nach pandemiebedingten Belastungen und der Zunahme psychischer Krisen bei jungen Menschen, neuen Schwung erhält. Neue Artikel zu verwandten Themen belegen diesen Trend: So diskutiert die „Süddeutsche“ die Rolle von Pädagogik in polarisierten Zeiten, „Zeit Online“ beleuchtet aktuelle Formen von digitaler Selbstgefährdung unter Jugendlichen, und der „Spiegel“ analysiert die Herausforderungen im Umgang mit Gewaltprävention an Schulen. Zusammenfassend: Die Bereitschaft, genau hinzusehen, bleibt eine Grundbedingung für wirksames, soziales und echtes Handeln im Bildungsbereich.

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