Überraschend oft kämpfen stillende Mütter in Deutschland mit verwunderten Blicken oder ungefragten Kommentaren, wenn sie ihr Baby anlegen – sei es im Café, auf einer Bank im Park oder anderswo. Das Thema ist heikler, als es zunächst scheint: Mit 13 Prozent stillen hierzulande nur noch wenige Frauen ihr Kind zum Ende des sechsten Lebensmonats – obwohl sowohl Gesundheitsexperten als auch die WHO sogar mehr empfehlen. „Deutschland hinkt im internationalen Vergleich deutlich hinterher“, meint Holger Bauer, Gründer von ChildHood Design, und erinnert daran, dass das Thema regelmäßig aufgeladen diskutiert wird. Sein Unternehmen, bisher eher für die neugedachten Wickelstationen draußen bekannt, hat deshalb ein scheinbar simples, aber wirkungsvolles Möbelstück entwickelt: die Stillbank. Warum? Ganz praktisch: Mehr Sichtbarkeit fürs Stillen – ohne die Mütter bloßzustellen.
Was auffällt: Die Bank ist nicht in erster Linie ein Rückzugsort, sondern eher ein stiller Protest gegen die Erwartung, Mütter sollten sich verkriechen. Bauers Mitgründer, der ehemalige Erzieher Niklas Schäfer, weiß: In Gesprächen mit Eltern und aus dem Austausch mit Hebammen wurde schnell klar, wie groß der Bedarf an einer sicheren, einladenden Umgebung fürs Füttern ist. „Ruhe ist wichtig, aber die Isolation darf nicht das Ziel sein.“ Ergonomische Sitzhöhe, genügend Platz auch fürs Geschwisterkind, Sichtschutz, der trotzdem den Blick ins Grüne erlaubt, und robuste Materialien machen die Bank tauglich für jedes Wetter – Details, ohne die Kommunen kaum mitziehen würden.
Nahezu ironisch: Die Bank ist wohlgemerkt nicht nur fürs Stillen gemacht. Sie funktioniert ebenso gut für Fläschchen-gebende Eltern, denn nicht jeder kann oder möchte stillen. Dieser inklusive Ansatz scheint in der Debatte häufig verloren zu gehen – dabei geht es letztlich ums Gleiche: entspannte, präsente Elternschaft mitten im öffentlichen Leben.
ChildHood Design bietet die Bank als Einzelstück oder im Paket mit Wickelstation und klassischer Sitzbank an; die Kombination wurde explizit von Kommunen erbeten. „Familienfreundliche Ausstattung in Städten wird oft unterschätzt“, sagt Schäfer und betont, wie viel Mut die sichtbare Präsenz von Eltern in der Gesellschaft machen kann.
Die neue Stillbank von ChildHood Design in Freiburg führt ein Stück Alltag zurück in den öffentlichen Raum, das vielerorts immer noch tabuisiert wird: das Füttern – ob Brust oder Flasche – bei gleichzeitigem Wunsch nach Schutz und Teilhabe. Neben der ergonomischen Gestaltung sorgen Feedbacks von Familien und Hebammen sowie robustes Material für Praxistauglichkeit. Bundesweit fordern Initiativen und die Nationale Stillförderstrategie inzwischen mehr Akzeptanz und Unterstützung für Mütter und Eltern, wobei nicht nur Städte und Politik, sondern auch die Zivilgesellschaft in die Pflicht genommen werden, die Bedürfnisse von Familien sichtbarer und selbstverständlicher zu machen.
Aktuelle Recherchen belegen, dass das Thema weiterhin gesellschaftliche Relevanz hat: Laut der Süddeutschen Zeitung nimmt die Akzeptanz für das Stillen im öffentlichen Raum langsam zu, bleibt aber zwiespältig – Berichte zeigen, dass Eltern Unterstützung durch bessere lokale Infrastruktur bitter nötig hätten. DW.com hebt hervor, dass die gestiegene Aufmerksamkeit auf familienfreundliche Stadtmöbel auch eine Chance für nachhaltige Stadtentwicklung bietet. Auf Spiegel.de wird das Thema im Zusammenhang mit gesellschaftlicher Diversität betrachtet; gerade durch das gleichberechtigte Sichtbarmachen verschiedener Elternrollen können tradierte Normen aufgebrochen werden.