Anstoß zur Debatte: Was bedeutet „kriegstüchtig“? 70 Jahre Bundeswehr im ZDF

Mainz – Sieben Jahrzehnte Bundeswehr – klingt lang, und vieles ist passiert. Seit der Gründung 1955 entwickelte sich die Truppe, manchmal zögerlich, manchmal überraschend schnell. Eine neue ZDF-Doku fragt inmitten aktueller Unsicherheiten: Wie fit ist die Bundeswehr heute? Wer will noch dienen, und wozu überhaupt? Der komplette Film (90 Minuten, von Jörg Müllner) ist ab sofort online im ZDF-Stream.

vor 44 Minuten | 2 mal gelesen

Umfrage: Stimmung kippt zugunsten größerer Truppe

Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine klebt der Begriff „Zeitenwende“ wie ein neues Etikett auf der Bundeswehr. Laut einer aktuellen ZDF-Umfrage will die Mehrheit mehr Soldatinnen und Soldaten im Dienst sehen. Gerade mal neun Prozent lehnen das strikt ab. Fast zwei Drittel wären sogar bereit, bei anderen Ausgaben den Rotstift anzusetzen, um für Rüstung mehr Geld locker zu machen.

Wehrpflicht – heiß diskutiert, Vertrauen in Freiwilligkeit

Viele Milliarden werden aktuell investiert, um alte Versäumnisse auszubügeln. Auch das Thema Wehrpflicht – lange kein großes Thema – taucht wieder in Talkshows und Stammtischen auf. Wie sieht’s aus mit der Bereitschaft junger Menschen, für Demokratie einzustehen? Mehrheitlich wird Freiwilligkeit bevorzugt, nur jede*r Dritte könnte sich aktuell mit einer Pflicht einverstanden erklären. Unter den jüngeren Befragten sinkt dieser Wert noch deutlicher.

Vom Neuanfang bis jetzt: Persönliche Geschichten und kritische Stimmen

Der Film schlägt einen großen Bogen: Von den Anfängen ist ebenso die Rede wie von den Erlebnissen einzelner Soldat*innen im In- und Auslandsgeschehen. Historiker und Militärexpert*innen sorgen dafür, dass nicht nur Erinnerungen, sondern auch Fakten und Einschätzungen zu Wort kommen.

Im Bündnis und auf sich gestellt: Deutschlands militärische Rolle

Seit 1955 eingebettet in die NATO wurde die Bundeswehr zur tragenden Säule gegen die Angst vor dem Ostblock; mit massiver amerikanischer Rückendeckung durch Nuklearwaffen. In den 80ern flogen bei Protesten gegen den NATO-Doppelbeschluss die Fetzen. Nach ‘89 mussten NVA-Strukturen integriert, die Bundeswehr verkleinert werden. Auslandseinsätze, darunter das Desaster in Afghanistan, prägten das jüngere Bild. Der Ukraine-Krieg riss die Armee nach langer Sparpolitik aus der „Friedensillusion“ – man war schlicht nicht vorbereitet. Inzwischen wackelt auch der US-Beistand, was die Bundeswehr vor neue Fragen und Unsicherheiten stellt: Wie viel Verantwortung kann oder muss Deutschland jetzt selbst schultern?

Die Doku gibt’s mit Untertiteln.

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Quelle: ZDF, bearbeitet durch Redaktion

http://ots.de/5fc964

Die Dokumentation wirft einen nachdenklichen Blick auf die Entwicklung und Gegenwart der Bundeswehr. Im Fokus stehen sowohl historische Wendepunkte – etwa der Wandel von einer reinen Verteidigungsarmee zur internationalen Interventionsstreitkraft – als auch aktuelle Umfragen, die zeigen, dass viele Deutsche für ein stärkeres Militär sind. Dennoch bleibt die Wehrpflicht umstritten, vor allem bei den Jüngeren, während neue Unsicherheiten im transatlantischen Bündnis Fragen nach Deutschlands eigenem militärischen Selbstverständnis aufwerfen. Ergänzend dazu zeigen tagesaktuelle Nachrichten, dass die Bundeswehr weiterhin mit erheblichen Schwierigkeiten bei Rüstung, Personal und Glaubwürdigkeit kämpft. Neuere Skandale um Ausrüstungslücken und schleppende Modernisierung führen dazu, dass die Truppe zwar im politischen Rampenlicht steht, jedoch regelmäßig auf Versäumnisse vergangener Jahrzehnte stößt. Die Herausforderungen durch geopolitische Umbrüche und das politische Ringen um Wehrhaftigkeit prägen die Debatte um Deutschlands Rolle in der Nato und Europas Sicherheit insbesondere nach dem Wahlausgang in den USA und angesichts der aktuellen Ukraine-Krise.

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