Mehrheit der Deutschen will flexiblere Arbeitszeit statt Acht-Stunden-Tag

Die traditionelle Acht-Stunden-Regel für den Arbeitstag steht auf dem Prüfstand: Laut aktueller Umfrage sprechen sich viele Bundesbürger für mehr Flexibilität in Sachen Arbeitszeit aus.

heute 10:19 Uhr | 2 mal gelesen

Es zeigt sich ein überraschend geteiltes Bild: 57 Prozent der Befragten sprachen sich laut einer aktuellen Forsa-Umfrage für die Abschaffung der gesetzlichen Acht-Stunden-Obergrenze am Tag aus. Sie befürworten einen Wechsel zu einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit, die es ermöglichen würde, an manchen Tagen mehr, an anderen weniger zu arbeiten. Offenbar gibt es aber auch Bedenken: 41 Prozent stehen der Idee skeptisch gegenüber. Die Befragung zeigt, dass traditionelle Errungenschaften – die ja oft als sozialer Fortschritt gefeiert werden – nicht jedem heilig sind. Kritische Stimmen befürchten längere Schichten bis zu 13 Stunden, gesundheitliche Belastungen und Nachteile für Familien. Befürworter kontern: Das aktuelle deutsche Arbeitszeitmodell passe schlicht nicht mehr zu modernen Bedürfnissen und zur europäischen Arbeitszeitrichtlinie – dort sind bis zu 48 Wochenstunden erlaubt. Die Mehrheit der Angestellten findet die Idee einer flexibleren Gestaltung immerhin attraktiv, 56 Prozent wären für die Reform. Trotzdem gibt es Widerstand, vor allem im Osten, unter Gewerkschaftsmitgliedern sowie Anhängern der Partei Die Linke. Die SPD fordert zur Kontrolle digitale Arbeitszeiterfassungen. Ein Meinungsbild, das einiges über den Wandel der deutschen Arbeitswelt verrät. Interessant übrigens: Nur zwei Prozent wussten oder wollten sich nicht festlegen. Insgesamt wurden am 14. und 15. Mai 1.004 Menschen befragt – genug, um hier so etwas wie eine Tendenz sehen zu können. Manchmal fragt man sich selbst: Ist die Acht-Stunden-Grenze noch haltbar oder nicht doch schon ein Relikt vergangener Zeiten?

Die Diskussion um die Abschaffung des klassisch geregelten Acht-Stunden-Tages und mehr Freiräume bei der Arbeitszeitgestaltung spiegelt den aktuellen Zeitgeist wider. Viele Unternehmen testen ohnehin schon flexiblere Arbeitszeitmodelle, etwa durch Vertrauensarbeitszeit oder Gleitzeit, um den veränderten Bedürfnissen gerecht zu werden – insbesondere seit die Corona-Pandemie Homeoffice und neue Praktiken etablierte. Arbeitsmediziner warnen allerdings vor gesundheitlichen Risiken durch sehr lange Arbeitstage, während Befürworter anführen, dass Eigenverantwortung, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit sowie international wettbewerbsfähige Strukturen überzeugen. Laut einem aktuellen Artikel bei der Süddeutschen Zeitung haben Gewerkschafter und Arbeitsrechtler bereits vor der wachsenden psychischen Belastung bei unbegrenzten Arbeitszeiten gewarnt und fordern verbindliche Schutzregelungen. Gleichzeitig fordern Arbeitgeberverbände mehr Selbstbestimmung und Flexibilität im Sinne der „neuen Arbeitswelt“, was auf einen anhaltenden gesellschaftlichen und politischen Konflikt hindeutet.

Schlagwort aus diesem Artikel