Den Sprung wagen: Mit 'Alpha Innovation' von der Optimierung zur echten Erneuerung

Bozen – Im NOI Techpark wird eine bislang selten dagewesene Methode gepflegt, mit der Unternehmen systematisch Zukunftsszenarien entwerfen und daraus konkrete Strategien für bahnbrechenden Wandel formen.

heute 11:47 Uhr | 3 mal gelesen

Unternehmerisches Leben gleicht derzeit einem staubigen Ritt auf ungesattelten Pferden – alle paar Meilen erwartet einen eine neue Herausforderung, sei es durch politische Unwägbarkeiten, den nächsten Technologieschub oder die anrollende Nachhaltigkeitswelle. Inmitten all dessen reicht das allgegenwärtige Optimieren von Bestehendem offenbar nicht mehr aus. Im NOI Techpark Bozen hat man deshalb gemeinsam mit Partnern – vom Politecnico di Milano über die Uni Bozen bis hin zu Playern wie Loacker – mit 'Alpha Innovation' eine Vorgehensweise gesponnen, die Unternehmen ermutigt, sich gedanklich zehn Jahre vorauszubewegen und dabei Grenzen zu sprengen. Viele bauen Innovation immer noch mit ein bisschen Feinschliff oder Prozess-Tuning gleich – bekam ich selbst öfter zu hören, besonders aus dem klassischen Mittelstand. Alpha Innovation setzt dagegen auf einen bewussten Sprung ins Ungewisse. Laut Petra Seppi, die dort das Innovationsmanagement leitet, liegt die Kunst gerade darin, sich von der Gegenwart zu lösen und radikal neu zu fragen: Wie sieht unser Spielfeld in zehn Jahren aus, welche Technologien und Bedürfnisse bestimmen es dann? Der Kern dabei: ein dreistufiger Prozess, der von einer fundierten Gegenwartsanalyse über Visionen zur wirklich belastbaren Vorgehensweise führt. Neben knallharten Markt- und Zukunftsanalysen gesellt sich eine nüchterne Bewertung nach ökologischen und gesellschaftlichen Kriterien – Nachhaltigkeit ist längst mehr als Feigenblatt; sie wird zur Eintrittskarte in viele Märkte. Seit ihrem Debüt 2022 hat diese Methode bei über 30 Projekten ihre Spuren hinterlassen. Selten bleiben es dabei bloße Gedankenspiele – daraus entstanden echte Produkt- und Geschäftsmodell-Roadmaps, oft weit weg vom aktuellen Kerngeschäft. Auffällig ist, dass es dafür Mut braucht: Wer nur auf die nächste Quartalsbilanz starrt, verpasst den großen Wurf, so Seppi sinngemäß. Der NOI Techpark selbst steht passenderweise für einen solchen Geist der Erneuerung. Mit inzwischen über 2.400 Menschen, verteilt auf Dutzende Firmen, Startups und Forschungsinstitute, versammelt die Community entlang der Themen Nachhaltigkeit, Gesundheit, Digitalisierung und Automation Erfahrung, Wissen und Experimentierfreude. Wer mehr darüber erfahren will: www.noi.bz.it. Und nein, für solche Veränderungen gibt es kein Patentrezept – manchmal hilft nur der beherzte Blick ein Jahrzehnt voraus.

Alpha Innovation, entwickelt im NOI Techpark Bozen, steht für einen bewussten Bruch mit rein inkrementellen Verbesserungen und setzt auf radikale Zukunftsorientierung. Unternehmen werden dabei unterstützt, nicht bloß bestehende Prozesse zu trimmen, sondern sich auf neue Märkte, Technologien und gesellschaftliche Veränderungen vorzubereiten. Nachhaltigkeit wird dabei als zentraler Wettbewerbsfaktor verankert; die Methode wurde bereits bei mehr als 30 Projekten mit nachweisbar konkreten Ergebnissen erprobt. Seit Veröffentlichung des Ansatzes zeigen sich ähnliche Entwicklungen auch an anderen Innovationsstandorten – etwa am Fraunhofer-Institut, wo auch Zukunftsszenarien für disruptive Innovation zunehmend eine Rolle spielen. Zudem tritt das Thema besonders in der Diskussion um den Innovationsstandort Deutschland hervor, insbesondere in Bezug auf Technologietransfer in die Wirtschaft sowie die Rolle öffentlicher Forschung. Gerade in den letzten Tagen wurde häufig über die Notwendigkeit von mehr Mut und Raum für Experimente in mittleren und großen Unternehmen gesprochen, auch im Kontext zunehmender globaler Unsicherheiten.

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