Die 96.471 bestandenen Prüfungen für das Schwimmabzeichen Bronze, Silber und Gold im Jahr 2025 sind eigentlich eine gute Nachricht – fast 100.000 Menschen, vielerorts Kinder und Jugendliche, haben damit nachgewiesen, dass sie sich sicher im Wasser bewegen können. Die Bedeutung dieses Nachweises wird von der DLRG immer wieder betont; echtes Schwimmenlernen beginnt schon beim Bronze-Abzeichen, das im Volksmund oft 'Freischwimmer' heißt. Hier sind 15 Minuten Schwimmen Pflicht, dazu das Verändern der Körperlage – Anforderungen, die für viele Erwachsene gar nicht so leicht sind.
Bemerkenswert ist der Anstieg bei den anspruchsvolleren Abzeichen: Während Bronze rund 45.000 Mal vergeben wurde, stieg die Zahl der Silber- und Goldabzeichen weiter – über 31.000 Mal Silber, mehr als 20.000 Mal Gold. Trotzdem schwingt bei der DLRG Sorge mit: Noch immer, schätzt man, verlassen zwei von drei Grundschulkindern die vierte Klasse, ohne tatsächlich sicher schwimmen zu können. Ein weiter Weg.
Spannend ist außerdem der Blick aufs sogenannte Seepferdchen, quasi der 'Führerschein' fürs erste Schwimmen. 2025 gab es hier knapp 4.000 weniger als im Vorjahr, obwohl der Schnitt der letzten 20 Jahre weit übertroffen wurde. Hauptproblem: Zu wenig freie Plätze in Schwimmkursen, endlose Wartelisten – oder, wie es einige Vereine machen, gar keine Listen mehr, weil die Nachfrage einfach zu groß ist. Der Flaschenhals sind oftmals fehlende Wasserflächen: Zu wenige (und manchmal auch marode) Schwimmbäder verhindern, dass alle Kinder, die wollen, schwimmen lernen können.
Zwar ist auch die Politik nicht untätig: 250 Millionen Euro stellt der Bund 2025 erstmals nur für Schwimmbad-Förderung bereit, Länder ziehen mit – aber bis landesweit ausreichend moderne Wasserflächen existieren, wird es wohl noch dauern. Und währenddessen wird in manchen Schulen Schwimmunterricht trotz Lehrplänen einfach gestrichen, weil es an Bädern oder Personal fehlt. Es gibt aber auch Gegenbeispiele: Initiativen und besonders engagierte Schulen, die auch unter schwierigen Bedingungen dafür sorgen, dass möglichst kein Kind übersehen wird – die DLRG hat für solche Schulen sogar einen eigenen Preis ausgelobt.
Was viele überrascht: Auch unter Erwachsenen wächst der Bedarf. Unter den 350.000 Menschen, die 2025 an Schwimmkursen der DLRG teilnahmen, waren etwa 26.000 volljährig – ein Zeichen, dass Sicherheit im Wasser ein Leben lang aktuell bleibt. Immerhin: Über 33.500 Menschen bringen sich aktuell ehrenamtlich in die Schwimmausbildung der DLRG ein und fast doppelt so viele engagieren sich landesweit für den Wach- und Rettungsdienst.
Übrigens, manchmal hilft ein persönlicher Blick: Wer selbst schon mal auf ein Kind in einem vollen Hallenbad gewartet hat oder erlebt hat, wie viel Überwindung es manchmal kostet, als junger Mensch einen Sprung ins kalte Wasser zu wagen, weiß, wie wertvoll diese Arbeit ist – und wie sehr jede gewonnene Bahn zählt.
Die Schwimmausbildung steht in Deutschland weiter unter Druck: Trotz eines erneuten Rekordwerts bei den abgenommenen Schwimmabzeichen beklagt die DLRG strukturelle Defizite, wie fehlende Schwimmbäder und zu wenige Ausbildungsplätze. Immer mehr Kinder verlassen die Grundschule ohne angemessene Wasserkompetenz, wobei Wartelisten für Schwimmkurse weiter wachsen und die Infrastruktur vielerorts am Limit ist. Auch 2025 stellt der Bund erstmals ein großes Förderprogramm auf – laut aktuellen Presseartikeln gehen die Sanierung und der Ausbau vieler Bäder aber langsamer voran als benötigt, während die Zunahme an nicht-schwimmenden Kindern und Jugendlichen weiterhin als gesellschaftliches Risiko betrachtet wird.