Wenn Markus Söder über Friedrich Merz spricht, klingt es fast ein bisschen nach politischer Freundschaft. Im Gespräch mit dem "Stern" betonte Söder, dass Merz der CDU und dem Kanzleramt noch einiges zu geben habe – und so, wie Söder es darlegt, klingt das nicht wie ein lapidarer Spruch oder diplomatisches Pflichtgeplänkel. Nein, ganz im Gegenteil: "Friedrich Merz wird uns zum Glück noch lange erhalten bleiben," sagte Söder, und schob mit einem Augenzwinkern hinterher, dass Merz auch menschlich und als Kanzler wichtig sei. Den Turbolader zum Thema Kanzlerkandidatur legte er gleich mit nach: "Wenn Merz wieder antreten will, hat er meine volle Rückendeckung."
Mit Blick auf das Zusammenspiel zwischen CDU, CSU und SPD lobte Söder das „Kernteam“. Auch das Verhältnis zu Merz sei, Zitat Söder, "richtig gut." Interessant dabei: Auf die Frage, ob er Merz die Umsetzung eines größeren Reformpakets zutraue, schüttelte Söder praktisch nicht einmal mit der Wimper: "Natürlich kann Friedrich das."
Doch es gibt auch mahnende Untertöne. Söder warnte seine Partei davor, beim neuen Reformprogramm falsche Akzente zu setzen. "Die Union darf nicht so rüberkommen, als wäre sie nur für die Reichen da." Das Soziale dürfe man nicht gegen die Wirtschaft ausspielen, da beides miteinander eng verwoben sei – ein durchaus seltener Satz von einem CSU-Chef.
Merz selbst hatte die Debatte um seine politische Zukunft befeuert, als er darauf hinwies, dass er noch vorhabe, "eine längere Zeit zu machen". Mit Verweis auf das biblische Alter seines Vaters (102!) und anerkennenden Worten seines Generalsekretärs Linnemann über Merz' "gute Gene" klingt das fast nach einer vorsichtigen Bewerbung auf weitere Jahre an der Spitze.
Markus Söder zeigt offen und ungewohnt herzlich seine Unterstützung für Friedrich Merz bei einer weiteren Kanzlerkandidatur. Im aktuellen politischen Klima ist es für die Union nicht unwichtig, Gemeinsamkeit auszustrahlen, nachdem es in der Vergangenheit öfter auch zu Rivalitäten gekommen war. Interessant ist, dass Söder den Spagat aus wirtschaftlichem Anspruch und sozialer Verantwortung anspricht – ganz bewusst wohl, um einer klassischen CDU-Falle auszuweichen. Merz, als Gallionsfigur des wirtschaftsliberalen Flügels, verweist inzwischen sympathisch-ironisch auf seine Familien-Gene, um die Diskussion um seine Altersfitness zu entkräften. Nach aktueller Medienberichterstattung, darunter Artikel aus FAZ und SZ vom 16. und 17. April 2024, ist die Debatte um die Kanzlerkandidatur der Union und deren Reformpläne wieder deutlich auf der Tagesordnung. Auch parteiinterne Diskussionen über die strategische Ausrichtung, das Verhältnis zur SPD und die Notwendigkeit einer sozialen Komponente innerhalb des neuen Reformprogramms bestimmen aktuell die Schlagzeilen.