Es ist einer dieser Momente, in denen plötzlich klar wird: Da passiert wirklich etwas Neues. Auf dem Gelände von thyssenkrupp Steel in Duisburg werden aktuell tonnenweise Erde bewegt und meterhohe Pfähle versenkt – viel Staub, Lärm und hektische Betriebsamkeit, aber auch so etwas wie Aufbruchsstimmung. Vielleicht klingt das pathetisch, aber die neue Direktreduktionsanlage ist kein gewöhnliches Bauvorhaben, sondern fast schon ein Symbol: ein Schritt, der sowohl für die Industrie als auch für den Umweltschutz epochal ist. Mit einer Produktionskapazität von 2,5 Millionen Tonnen direktreduziertem Eisen jährlich rangiert das Projekt international im Spitzenfeld für klimafreundliche Stahlherstellung.
Das technische Herzstück: Zwei sogenannte Einschmelzer, verbunden mit der Direktreduktionsanlage, ermöglichen es, das Roheisen nicht mehr auf die klassische, kohlendioxidlastige Weise zu erzeugen, sondern perspektivisch mit Wasserstoff – was wiederum jährlich rund 3,5 Millionen Tonnen CO2 einspart. Dieser Wert klingt erstmal abstrakt, aber im Klartext: Sieben Prozent der gesamten deutschen Stahlindustrie-Emissionen würden damit verschwinden.
Die Baustelle selbst ist der pure Wahnsinn: Über 60 Einzelbauten werden aktuell realisiert, eine Fläche von etwa 40 Fußballfeldern voller Kräne, Fundamente, Leitungsgräben. Drees & Sommer ist hier weit mehr als ein externer Dienstleister: Ihr Team (bis zu 80 Leute vor Ort) tüftelt, koordiniert, plant, prüft Zeichnungen und hält die Bälle in der Luft – selbst alte Hasen kommen da offenbar mal ins Schwitzen. Die ganz banale technische Herausforderung: alles muss im richtigen Moment zusammenpassen, Fehler kann sich hier wirklich keiner leisten.
Es gibt natürlich auch Stolpersteine. Derzeit ist grüner Wasserstoff noch nicht in der nötigen Menge und zu bezahlbaren Preisen verfügbar. Daher läuft die Anlage zunächst mit Erdgas, spart dennoch schon mehr als die Hälfte der früher üblichen Emissionen. Aber niemand macht sich was vor: Ohne massiven Ausbau des Wasserstoffnetzes wird die große grüne Transformation erst stockend Fahrt aufnehmen. Trotzdem – vielleicht braucht es solche gewaltigen, ehrgeizigen Projekte, damit sich der Kurs einer ganzen Industrie wirklich ändert.
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Die Transformation der deutschen Stahlindustrie kommt voran, vor allem mit Blick auf Dekarbonisierung und innovative Technologien: Rund ein Drittel aller industriellen CO2-Emissionen entstehen im Bereich der Stahlherstellung, daher ist der Umbau von Hochofen- auf Wasserstoffverfahren kein bloßer Nebenkriegsschauplatz. Aktuelle Berichte zum Thema betonen, dass die Finanzierung solcher Mammutprojekte zwar zunächst wie ein Kraftakt wirkt, die gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Rendite aber enorm sein kann, etwa durch Technologieführerschaft und neue, 'grüne' Arbeitsplätze. Und während viele Unternehmen – nicht nur in Deutschland – mit Mangellagen beim Wasserstoff ringen, entstehen europaweit Pilotanlagen, die erstmals einen ernsthaften Wettbewerb rund um die grüne Stahlproduktion entfachen dürften.