Tankrabatt neu gedacht: Ökonom Bofinger bringt Debatte erneut ins Rollen

Explodierende Energiepreise befeuern die Frage nach staatlicher Hilfe. Peter Bofinger, ehemaliges Mitglied im Kreis der Wirtschaftsweisen, stellt die Politik vor eine alte neue Entscheidung.

21.03.26 08:02 Uhr | 16 mal gelesen

Mal ehrlich, die Debatte um den Tankrabatt war schon einmal hitzig – teils ein Politikum, teils Stammtischthema. Jetzt holt Peter Bofinger, jemand, der nicht jedem Trend hinterherläuft, die alte Idee wieder hervor und gibt den Zweiflern kontra. "Ich hab durchaus ein Faible für den Tankrabatt", lässt er gegenüber T-Online verlauten und stützt das Ganze auf Zahlen vom RWI-Institut: Beim ersten Tankrabatt 2022 sind die Preise nachweislich gefallen – da kann man meinetwegen auch mal genauer hinschauen, statt sich in Vorurteilen zu suhlen, sagt er sinngemäß. Die Straße von Hormus, ein Nadelöhr für den globalen Handel, macht ihm Sorgen. Bleibt das Ding blockiert, dann werden nicht nur Sprit und Gas knapper, sondern auch allerlei andere Dinge: Dünger, Alltagswaren – was eben alles so im Windschatten am Tank hängt. Von wegen Preisspirale: Eine neue Inflationswelle sieht Bofinger aufziehend, falls die Energiepreise weiter ausufern. "Das kann ziemlich zügig gehen", meint er – und blickt ungläubig auf die Tatenlosigkeit der Regierung. Seiner Meinung nach bräuchte Deutschland dringend mehr Lenken statt bloßes Laufenlassen. Warum nicht mal mutig einen Fünfjahresplan aufsetzen und die Innovation dorthin schieben, wo der weltweite Markt Zukunft hat? Bofingers Zweifel gelten ausdrücklich der Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, der er schlicht nicht zutraut, wirklich strategisch zu gestalten. Ihrer Politik wirft er eine zu stoische Marktgläubigkeit vor – statt die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

Peter Bofinger, bekannt für geradeheraus geäußerte Thesen, fordert angesichts der Unsicherheit am Energiemarkt eine pragmatische Rückkehr zum Tankrabatt. Zahlen des RWI-Instituts sprechen laut ihm für positive Effekte des Rabatts. Dabei verweist er auch auf die Gefahr rasant steigender Preise, gerade wenn geopolitische Lagen wie die Blockade der Straße von Hormus auf die Lieferketten durchschlagen. Von der Bundesregierung wünscht er sich deutlich mehr industriepolitischen Mut – etwa durch langfristige Planung, um Deutschland global konkurrenzfähig zu machen. Neuere Analysen aus der Presse betonen, dass die Energiepreise teilweise schon wieder anziehen und immer mehr Wirtschaftsverbände staatliche Eingriffe ins Spiel bringen. Der Tankrabatt, so das aktuelle Stimmungsbild, ist umstrittener denn je, während die Politik zwischen Haushaltsdisziplin und Inflationsdruck laviert.

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