BASF-Chef gibt zu: Niedrige Preise belasten – China-Deal zahlt sich später aus

Unmittelbar vor dem Start des neuen Milliarden-Chemiekomplexes in China gesteht BASF-Vorstand Markus Kamieth ein, dass das Projekt frühestens mittelfristig zum Gewinnbringer wird. Der globale Markt sei aktuell übervoll, die Preise und Margen auf einem historischen Tiefstand – das schiebe die Erwartungen nach hinten.

heute 06:02 Uhr | 3 mal gelesen

„Die ersten Jahre werden in Sachen Gewinn deutlich hinter unseren Plänen zurückbleiben“, gibt Markus Kamieth ohne große Umschweife zu. Trotzdem stehe er hinter der Mammutinvestition in Südchina. Er argumentiert beinahe trotzig: Selbst geopolitische Unsicherheiten, etwa im Fall Taiwan, ändern nichts am eingeschlagenen Kurs – ein Rückzug aus China käme einem Verzicht auf die Hälfte des Weltmarkts gleich, was aus seiner Sicht das eigentliche Risiko wäre. Die derzeitige Lage am Persischen Golf, also Konflikte im Iran und mögliche Blockaden wie an der Straße von Hormus, sieht er für BASF vorerst gelassen: Es gibt keine unmittelbaren Engpässe bei Rohstoffen oder der Verteilung der Produkte, so Kamieth. Der neue Standort Zhanjiang, mit knapp neun Milliarden Euro die größte Einzelausgabe, die BASF je getätigt hat, startet diese Woche. Trotzdem bleibe Ludwigshafen der Heimat-Hotspot, der weiter größte Empfänger künftiger Firmengelder. Auch, so Kamieth fast beiläufig, ersetze das China-Werk keine eingestellten Produktionen in Ludwigshafen: Eine Verlagerung sei ausdrücklich nicht geplant.

BASF investiert mit rund 8,7 Milliarden Euro in sein neues Werk im südchinesischen Zhanjiang – der größte Einzelposten der Unternehmensgeschichte. Unternehmenschef Kamieth betont, dass in den Startjahren geringere Gewinne zu erwarten seien, da der Markt aktuell überversorgt ist und die Preise sowie Margen ein Rekordtief erreicht haben. Trotz geopolitischer Risiken – insbesondere Spannungen um Taiwan oder in der Golfregion – hält BASF an seiner China-Strategie fest, um nicht einen Großteil des Weltmarktes preiszugeben. Darüber hinaus bleiben Aussagen zu Ludwigshafen: Das dortige Werk ist und bleibt für BASF der wichtigste Standort. Aktuelle Berichte anderer Medien unterstreichen, dass der globale Chemiesektor generell unter Druck steht – insbesondere durch Überkapazitäten in Asien, den Rückgang der Nachfrage in Europa und anhaltend hohe Energiekosten durch die geopolitische Lage. Hinzu kommt: China forciert weiter eigenständige petrochemische Industrien, was zu zusätzlichem Konkurrenzdruck führt. Einig scheint man sich, dass – unabhängig von kurzfristigen Renditen – Investitionen in China für multinationale Unternehmen kaum zu umgehen sind.

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