Bereits in den frühen Morgenstunden rollten aus zahlreichen europäischen Städten Busse mit Demonstrierenden Richtung Paris. Die ursprüngliche Planung rechnete mit bis zu 100.000 Beteiligten, die – wie die Veranstalter betonten – im Vorfeld eng mit den französischen Behörden abgestimmt worden war. Dennoch erfolgte noch kurz vor Beginn ein polizeiliches Verbot, offiziell begründet mit nicht näher spezifizierten Sicherheitsbedenken sowie angeblichen Drohungen sowohl aus Kreisen des iranischen Regimes als auch aus dem monarchistischen Lager – alles sehr nebulös. Obwohl das Verwaltungsgericht die pauschalen Motive der Polizei in Zweifel zog, stützte man sich weiter auf angebliche Hinweise zu möglichen Anschlägen. Erwähnt wurden in diesem Kontext auch Überreste des einstigen Geheimdienstes SAVAK, der angeblich mit Attentaten drohte, sollte der Protest erlaubt werden.
Die Demonstranten, die sich weder von Hitze noch behördlichen Schikanen abschrecken ließen, positionierten sich gleichermaßen gegen sowohl die Monarchie als auch die theokratische Unterdrückung im Iran. Im Mittelpunkt standen Forderungen nach dem Ende der politischen Hinrichtungen, Freilassung aller politischen Häftlinge sowie die Unterstützung einer demokratisch ausgerichteten Revolution im Iran, orientiert am Zehn-Punkte-Plan von Maryam Rajavi. Trotz mehrerer Räumungsversuche der Polizei und etlicher Festnahmen (mindestens 50 Personen) blieb die Kundgebung größtenteils friedlich. Auch an anderen bekannten Plätzen der Stadt wie dem Trocadéro, Place de la Bastille und Place de la République wurden spontane Solidaritätsbekundungen abgehalten und teils aufgelöst – aber letztlich erreichte die Protestbewegung große Sichtbarkeit. Auffällig: Polizisten gingen teils ruppig vor, mindestens zwölf Personen wurden verletzt.
Parallel zur Pariser Großdemo fand im nahegelegenen Auvers-sur-Oise der "Free Iran Summit 2026" statt. Dort trafen sich etwa 100 internationale Politikerinnen, Analysten und prominente Gäste, um die Protestbewegung zu unterstützen. Zu den Wortführern gehörten namhafte Figuren wie der Ex-Präsident des Europäischen Rates Charles Michel, Ex-Premier Boris Johnson und John Baird, ehemaliger Außenminister Kanadas – aber auch französische Parlamentsmitglieder und weitere internationale Repräsentanten. In den Beiträgen wurde mehrfach Frankreichs Verhalten kritisiert, während Maryam Rajavi in ihrer Grundsatzrede die brisante Lage im Iran schilderte und den Führungswechsel im Regime als Zeichen der Schwäche wertete. Rajavi betonte, dass Repression und Gewalt das Momentum für politische Veränderung nicht stoppen werden; nur die demokratische Alternative sei eine echte Perspektive, ein freier und nichtnuklearer Iran müsse das Ziel bleiben.
Auch Politiker wie Charles Michel und Boris Johnson fanden klare Worte: Sie attackierten die französische Regierung für das Demonstrationsverbot und unterstützten öffentlich Rajavis Reformplan. Insbesondere Christine Arrighi aus der Nationalversammlung rügte Frankreich offen für das Einknicken gegenüber Teheran und lobte die Geschlossenheit des Widerstands. Trotz aller Widrigkeiten blieb die zentrale Botschaft der Veranstaltung unübersehbar: Iran braucht einen demokratischen Wandel ohne Monarchie und Theokratie.
Die Großdemonstration in Paris gegen die Hinrichtungswelle im Iran stieß international auf große Aufmerksamkeit. Die kurzfristige Untersagung durch französische Behörden löste erhebliche Kritik aus, nicht nur bei Teilnehmern, sondern auch bei bekannten politischen Persönlichkeiten. Erneut wurde deutlich, wie gespalten Frankreich bezüglich des Umgangs mit exiliranischen Gruppen und Menschenrechtsprotesten ist.
Während einerseits Sicherheitsbedenken ins Feld geführt wurden, warfen zahlreiche Beobachter der Regierung vor, vor dem Druck aus Teheran eingeknickt zu sein. Das massive Polizeiaufgebot und die Festnahmen unterstrichen die Spannungen, die mit solchen Veranstaltungen einhergehen. Die Forderungen der Protestierenden – insbesondere die Unterstützung für Rajavis Zehn-Punkte-Plan und der Ruf nach einem säkularen, demokratischen Iran – sind gerade vor dem Hintergrund des jüngsten Justiz- und Hinrichtungswahns im Iran aktueller denn je.
In den letzten 48 Stunden berichtete die internationale Presse mehrfach über eine anhaltende Welle politisch motivierter Hinrichtungen im Iran. Laut Amnesty International und Human Rights Watch erreichte die Zahl der Exekutionen im Jahr 2024 einen neuen Negativrekord, wobei insbesondere Kurdinnen, religiöse Minderheiten und kritische Aktivisten betroffen sind. Die Proteste in Paris sind ein weiteres kräftiges Signal aus der iranischen Diaspora, die internationale Gemeinschaft stärker und konsequenter auf den Missbrauch von Menschenrechten in der Islamischen Republik aufmerksam zu machen.
Zusätzlich wurde auf taz.de darauf hingewiesen, dass verschiedene oppositionelle Gruppen innerhalb der iranischen Exilgemeinde sich verstärkt vernetzen, um Proteste besser zu koordinieren und einen gemeinsamen politischen Kurs zu verfolgen. Dies wird von Experten als Hoffnungsschimmer betrachtet, die häufig zersplitterte Exil-Opposition effektiver gegen das Regime arbeiten zu lassen.