Tourismusbranche bekommt Millionen-Entlastung von der Bundesregierung

Auf Druck der Reisewirtschaft reagiert Berlin: Weniger Gebühren, neue Regeln – so will die Bundesregierung den heimischen Tourismus konkurrenzfähiger machen.

heute 11:36 Uhr | 2 mal gelesen

Kein Thema sorgt in der deutschen Reisebranche in letzter Zeit für so viel Streitlust wie der Reisesicherungsfonds. Seit der Thomas-Cook-Pleite 2021 ist er Pflicht – und das kostet. Mitten in gute Zeiten hinein senkt die Bundesregierung jetzt die Gebühren im Fonds zum wiederholten Mal: Ab November sind nur noch 0,25 Prozent des Pauschalreise-Umsatzes einzuzahlen. Gleichzeitig wird das Sicherheitskonzept des Fonds renoviert; damit werden nicht nur die Abgaben kleiner, auch Bank- und Versicherungskosten schrumpfen. Christoph Ploß, Tourismus-Koordinator im Kanzleramt, spricht von mehr „Wettbewerbsfähigkeit“ für deutsche Veranstalter – und schätzt das Entlastungs-Volumen auf rund 630 Millionen Euro pro Jahr. Das viele Geld, das bislang einem sprichwörtlichen Sparschwein im Keller glich (an dem sich kaum jemand freuen konnte), steht den Unternehmen bald zur aktiven Nutzung bereit. Ob diese Reform letztlich genug ist, um in der internationalen Konkurrenz zu bestehen? Jedenfalls ist das ein seltenes Beispiel für Gehör nach Branchenkritik.

Die Bundesregierung hat überraschend schnelle Maßnahmen beschlossen, um Reiseveranstalter finanziell zu entlasten: Die verpflichtenden Beiträge zum Reisesicherungsfonds werden erneut um die Hälfte gesenkt, auf nur noch 0,25 Prozent des Umsatzes aus Pauschalreisen. Die Regelung folgt laut Bundesregierung der Kritik aus der Branche, dass in wirtschaftlich guten Zeiten zu hohe Rücklagen sinnlos seien. Zugleich wird das Sicherheitskonzept des Fonds überarbeitet, um teure Zusatzabsicherungen bei Banken und Versicherern überflüssig zu machen. Insgesamt entsteht so eine jährliche Entlastung der Reisebranche in Höhe von geschätzten 630 Millionen Euro; das freigesetzte Kapital kann in Innovationen oder Service fließen. Anders als in den Anfangsjahren nach der Thomas-Cook-Pleite genießen Reiseveranstalter damit finanziell mehr Luft – aber es bleibt ein Balanceakt, ob die neuen Beiträge eine künftige Insolvenzwelle auffangen könnten. Nach Recherche aktueller Medienberichte ist die Tourismusbranche derzeit auch durch den anhaltenden Personalmangel, steigende Energiekosten und die Folgen geopolitischer Krisen herausgefordert. Die jüngsten Übernachtungszahlen in Deutschland verzeichnen einen langsamen, teils stockenden Anstieg im internationalen Vergleich. Viele Unternehmen investieren verstärkt in Digitalisierung und nachhaltige Angebotserweiterung, um am globalen Tourismusmarkt attraktiv zu bleiben.

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