Ilkay Gündogan: Eitelkeiten in der Expertenrunde und der Druck auf Fußballer

Ilkay Gündogan, ehemaliger Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, spricht offen über die problematische Rolle medialer Experten und deren Einfluss auf Spieler.

heute 11:39 Uhr | 1 mal gelesen

Irgendwann hat Ilkay Gündogan hinter den Kulissen mitbekommen, wie sehr manche Profis darauf fixiert sind, was in der Pause oder direkt nach dem Abpfiff über sie erzählt wird. Im „Spiegel“-Interview schildert er, dass Spieler tatsächlich während der Halbzeit-Pause nach ihrem Namen googeln, auf der Suche nach kurzfristigem Ruhm oder – vielleicht sogar masochistisch – nach Kritik. Das ist eher selten, meint er, aber der Gedanke bleibt: Die öffentliche Meinung beeinflusst, manchmal mehr als einem lieb ist. Was ihn stört, sind sogenannte Experten, die nicht nur analysieren, sondern lieber „h Draufschlagen“ und selbst im Rampenlicht stehen wollen. Einige, so seine Worte, scheinen die Bühne mehr für sich zu beanspruchen als für das Spiel. Und das? Kann Spielern zusetzen, besonders jenen, die ohnehin sensibel auf Töne von außen reagieren. Fußballer seien eben keine Maschinen: „Glauben Sie mir, viele von uns sind empfindlicher, als man meint.“ Gündogan ärgert sich über unsachliche, abwertende Kommentare. Während Trainer, wie er betont, nicht so verletzlich sein dürfen, steht dem Spieler oft kein schützender Filter zur Verfügung – ein Dilemma. Einen kleinen Seitenhieb gibt es am Rande auch auf Jürgen Klopp, der mit einem lockeren Spruch zur Trainer-Aufstellung auffiel – Gündogan findet das nicht dramatisch, aber „etwas unglücklich“. Dennoch, so gibt er zu bedenken: Julian Nagelsmann, aktueller Bundestrainer, sei hart genug für den öffentlichen Gegenwind. Gündogan selbst hat das internationale Fußballgeschäft auf unterschiedlichsten Ebenen erfahren: Nationalelf, Premier League, große Finals. Jetzt ist er, nach seiner erfolgreichen Zeit bei Manchester City, ein neues Kapitel bei Galatasaray Istanbul aufgeschlagen. Ein bisschen Routine, ein bisschen Selbstzweifel – und viel Erfahrung. Am Ende bleibt für ihn die Frage, was wirklichen Experten von reinen Selbstdarstellern unterscheidet, und wie viel Raum Medien einnehmen sollten.

Ilkay Gündogan spricht offen über die Schattenseiten des modernen Fußballs: Der stetige Druck durch mediale Experten und deren persönliche Eitelkeit setzen besonders sensiblen Spielern zu. Gündogan macht klar, dass viele Profis verletzlich sind, auch wenn sie nach außen hart wirken mögen – ein Aspekt, der von der Öffentlichkeit und manchen Experten oft übersehen werde. Inzwischen gibt es in Fachkreisen und Medien eine Debatte darüber, inwieweit ehemalige Fußballer als TV-Analysten meist zu stark polarisieren oder teilweise sogar die Grenzen zwischen sachlicher Analyse und bloßem Entertainment vergessen; das könnte langfristig zu einer Vertrauenskrise führen. Online finden sich zahlreiche aktuelle Reaktionen auf Gündogans Aussagen. So wird etwa darauf hingewiesen, dass Fußballexperten heute fast schon einen eigenen Celebrity-Status haben und sich in sozialen Netzwerken positionieren – siehe das jüngste Beispiel rund um Lothar Matthäus und seine scharfen Kommentare bei RTL. Im internationalen Vergleich kritisieren viele Medien, dass deutsche TV-Experten im Gegensatz zu moderateren britischen oder französischen Kommentatoren häufiger persönliche Angriffe fahren und so die Stimmung zusätzlich aufheizen.

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