Das Geschehen
Im Herbst 2014 brechen fünf Bergsteiger – darunter die Deutschen Benedikt Böhm und Sebastian Haag – gen Shishapangma (8.027 m) in Tibet auf. Ihr Ziel: In neuer Rekordzeit aufsteigen und per Ski wieder herunterfahren, alles innerhalb eines Tages. Doch das gewagte Unterfangen endet abrupt. Im Morgengrauen des 24. September reißt eine mächtige Lawine kurz unterhalb des Gipfels Sebastian Haag und Andrea Zambaldi in den Tod. Martin Maier, ebenfalls im Lawinenzug, überlebt mit schweren Verletzungen.
Im Mittelpunkt der Doku steht Martin Maier, der miterlebt, wie sich die öffentliche Narration nach dem Absturz verändert. Während Benedikt Böhm als Symbol für Leistung und Management gefeiert wird, bleibt Maier nachdenklich – belastet von seinen Erinnerungen und Zweifeln.
Zweifel und andere Erzählungen
Maier analysierte wiederholt das Video- und Fotomaterial vom Berg – aus seiner Sicht wurde die Realität am Shishapangma nachträglich verdreht. Die offizielle Geschichte, wie Böhm sie erzählte, weicht von Maiers Erinnerungen und jenen anderer Beteiligter ab.
Nicht nur Maier, sondern auch der Kameramann Christos Tsoutsias und Sebastian Haags Lebensgefährtin Magdalena Martini äußern ihren Ärger über das ihrer Meinung nach verzerrte Bild, das nach außen getragen wurde. Die Dokumentation lässt sie erstmals offen sprechen. Benedikt Böhm selbst bleibt zurückhaltend: Ein Interview lehnt er ab, schriftliche Fragen beantwortet er nicht.
‚Tragödie am Gipfel‘ wirft einen düsteren Schein auf Ethik, Selbstdarstellung und das heikle Verhältnis zwischen Teamgeist und dem Ringen nach Ruhm in Extremsituationen im Alpinismus. In der Todeszone des Himalayas zählen manchmal nicht nur Kraft und Mut – sondern auch, wer am lautesten erzählt.
Sendetermine und Abruf
Die Doku steht seit 2. April 2024 in der ARD Mediathek zum Abruf bereit. https://ots.de/9gO36v
Im Fernsehen läuft sie am 12. April um 23:40 Uhr im NDR.
Pressekontakt:
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Originalinhalte: NDR über news aktuell
Die aktuelle Dokumentation stellt die Ereignisse am Shishapangma neu dar und befragt kritisch die damals entstandene offizielle Darstellung. Zentral ist die Perspektive von Martin Maier, der den bekannten Versionen widerspricht – seine Rekonstruktion wird durch andere Teammitglieder gestützt und in der Doku erstmals ausführlich beleuchtet. Die Sendung rollt nicht nur das Drama um Lawinengefahr und Bergnot auf, sondern deckt auch die komplexen Mechanismen von medialem Druck, individueller Eitelkeit und fragiler Kameradschaft im Hochleistungssport auf. Im Zuge der aktuellen Auseinandersetzungen um Ethik und Anspruch im Alpinismus stehen ähnliche Grenzerfahrungen immer wieder im Fokus: Mehrere deutsche Medien haben jüngst über Debatten zu Risikomanagement und Bergsteigerethik berichtet. Dazu kommt ein anhaltender Diskurs um die Medialisierung und Kommerzialisierung des Extrembergsteigens, ausgelöst etwa durch Social-Media-Inszenierungen oder riskante Rekordversuche unter oft gefährlichen Bedingungen. Die neue ARD-Doku findet deshalb nicht nur im Rückblick, sondern auch im Hier und Jetzt der Bergsteigerszene hohe Aufmerksamkeit.