In einem aufsehenerregenden Brief hat IFALPA-Präsident Ron Hay direkt Lufthansa-CEO Carsten Spohr adressiert – laut Vereinigung Cockpit ein Warnsignal. Hay befürchtet, dass dadurch die sicherheitsrelevanten Tätigkeiten der Cockpit-Crews ernsthaft beeinträchtigt werden. Auch Andreas Pinheiro, an der Spitze der Vereinigung Cockpit, äußert sich deutlich: Lufthansa habe mit der Entscheidung, die Freistellungsregel einseitig zu beenden, mutwillig die Einsatzbereitschaft der Piloten für die Flugsicherheit aufs Spiel gesetzt. Ein ziemlich harter Tobak angesichts dessen, dass besonders in der Luftfahrt Vertrauen und interne Kooperation der Schlüssel sind.
Zur Einordnung: Die Vereinigung Cockpit vertritt die Interessen der deutschen Pilot:innen als Gewerkschaft wie auch als Berufsverband – und ist gerade in puncto Sicherheitsmanagement zentral eingebunden. IFALPA wiederum, 1948 gegründet, agiert als globale Stimme von mehr als 160.000 Piloten und setzt sich, oft im Hintergrund, vehement für international verbindliche Sicherheits- und Arbeitsstandards ein. Blöd, dass solch Grabenkämpfe ausgerechnet dort auftreten, wo Präzision und Zusammenarbeit lebenserhaltend sind. Was bleibt? Die Hoffnung, dass die Chefetagen mehr sehen als die nächste Quartalszahl.
Der Streit zwischen Lufthansa und ihren Piloten zieht größere Kreise: Die internationale Pilotenvereinigung IFALPA kritisiert den Bruch der Freistellungsvereinbarung mit der Vereinigung Cockpit deutlich und warnt vor Einbußen bei der Flugsicherheit. Hintergrund ist, dass viele Pilot:innen durch die Regel bislang Zeit und Ressourcen hatten, sich gezielt mit Sicherheitsthemen auseinanderzusetzen und diese ins Unternehmen zu tragen. Aktuell wächst der Druck auf Lufthansa, wegen verschärfter Arbeitsbedingungen und zunehmend kritischer Stimmung innerhalb der Belegschaft. Ergänzend berichten mehrere Medien von weiteren Tarifkonflikten im Lufthansa-Konzern; dabei geht es laut Brancheninsidern oft auch um Nachwuchssorgen und die Verantwortung der Airline während Zeiten von Personalmangel und Instabilität. Aus Recherchen ergibt sich auch, dass sich die Beziehungen zwischen Management und Cockpit-Crews in den vergangenen Monaten merklich verschlechtert haben, wobei viele Pilotinnen und Piloten bereits über wachsende Arbeitslast und sinkende Identifikation mit dem Unternehmen klagen.