Mehr Selbstständigkeit gefordert: ESA drängt auf unabhängige europäische Raumfahrt

Geopolitische Ereignisse und aktuelle US-Beschlüsse zeigen laut der ESA, wie dringend Europa eine eigenständige Raumfahrtfähigkeit benötigt.

vor 31 Minuten | 2 mal gelesen

Im Prinzip steht Europa an einem Scheideweg: Entweder nimmt man weiterhin Plätze bei anderen Raumfahrtagenturen auf der Rückbank – oder wagt den Schritt zur vollwertigen, eigenmächtigen Raumfahrt. Das betont auch Josef Aschbacher, der Chef der Europäischen Weltraumorganisation ESA, in einem Gastbeitrag für T-Online. Sein Tonfall: durchdrungen von der Überzeugung, dass sich die Zeiten ändern, und Europa dringend mehr Gewicht auf die Waage bringen muss. Besonders die jüngsten US-Entscheidungen schlagen spürbare Wellen: So hat Amerika im Artemis-Programm den Bau der Mond-Raumstation Lunar Gateway einstweilen gestoppt – ein Rückschlag auch für die ESA, die dort eine gewichtige Partnerschaft hatte. Für Aschbacher steht fest, dass diese Abhängigkeiten Europas Spielraum gefährlich einengen. Seine Forderung: Wir müssen schleunigst in eigene astronautische Ressourcen investieren. Autonome, also wirklich europäische Raumfahrt sei – seiner Ansicht nach – alles andere als eine Spielerei oder reines Prestigeprojekt, sondern zentral für die Wahrung europäischer Interessen im All. Erwartungsgemäß bleibt für ihn internationale Kooperation essenziell, doch eine Partnerschaft auf Augenhöhe setzt Unabhängigkeit voraus – und genau daran hapert es aktuell noch. Ausdrücklich warnt er dabei auch vor einem zerbröselten Vorgehen der einzelnen EU-Staaten. Dass ein jeder sein eigenes Süppchen kocht, schwächt Europas Gesamtgewicht erheblich. Deshalb ruft Aschbacher zu Geschlossenheit auf – und stößt damit nochmals einen Appell an die politischen Entscheider aus. Seiner Einschätzung nach bieten gerade die nächsten Jahre ideale Chancen, Europas Raumfahrtpolitik aufzupolieren. Die anstehenden internationalen Gipfeltreffen und Haushaltsberatungen eröffneten ein einmaliges Zeitfenster; ob Europa es nutzt, bleibt offen.

Die jüngsten US-Entscheidungen zur Raumfahrt, insbesondere die Pausierung des Lunar Gateway-Projekts, unterstreichen laut ESA-Direktor Aschbacher die fragile Abhängigkeit Europas von anderen Raumfahrtmächten. Er befürchtet, dass ohne eigene bemannte Raumfahrtfähigkeiten zentrale europäische Interessen im Weltall langfristig aufs Spiel gesetzt werden. Auch aktuelle Berichte heben hervor, dass die Verzögerungen im Artemis-Programm durch politische und finanzielle Turbulenzen (z.B. im US-Kongress) und die agile Entwicklung im privaten Sektor – allen voran SpaceX – eine Lücke im internationalen Raumfahrt-Gleichgewicht schaffen; europäische Akteure riskieren, auf den Rücksitz zu geraten. Zusätzlich unterstreichen diverse Artikel die Gefahr mangelnder nationaler Abstimmung in der EU beim Thema Raumfahrt. Neue Vorschläge im Europäischen Parlament und von Branchenverbänden plädieren nun erstmals für ein gemeinsames europäisches Astronautenprogramm und die Entwicklung unabhängiger Trägerrakten, um Risiken und Chancen in wechselnden Partnerschaften besser abfedern zu können.

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