Wer sich in der deutschen Industrie ein bisschen auskennt, ahnt: Wenn bei Volkswagen das Thema Arbeitszeit aufpoppt, wird es schnell emotional. Mehr als 100.000 Mitarbeitende könnten laut einem Bericht des „Handelsblatts“ von längeren Wochenarbeitszeiten betroffen sein – bisher ist vor allem von der Möglichkeit die Rede, um die ständig wachsenden Produktionskosten irgendwie einzudämmen.
Gerüchte, noch keine Forderung
Bisher hat VW noch keine konkreten Zahlen öffentlich gemacht, etwa ob wirklich 38 oder gar 40 Stunden pro Woche angestrebt werden. Trotzdem schleicht sich das Thema bereits in den Fluren herum und dürfte früher oder später in irgendeiner Tarifrunde auf der Tagesordnung landen.
Treffen in Hannover: Keine Arbeitszeitdebatte – noch nicht
Am Mittwoch kamen Vertreter von Volkswagen, IG Metall und Betriebsrat in Hannover zusammen. Laut aktueller Planung sollte die Arbeitszeitfrage diesmal übersprungen werden, aber in der Branche weiß man: In ruhigen Gewässern braut sich oft schon das nächste Gewitter zusammen. Aktuell gilt die 35-Stunden-Woche im Konzern, wobei andere Stellschrauben am Arbeitsrecht – beispielsweise gewisse Tarifverträge – bereits gelockert oder zur Debatte gestellt werden.
Wellen von Stellenabbau
Parallel dazu stehen deutliche Einschnitte ins Haus: Volkswagen plant, weltweit 50.000 bis 60.000 Stellen zu streichen, davon die Hälfte in Deutschland. Ein ordentliches Beben im berühmtesten Automobilwerk des Landes. Es wird gemunkelt, dass auch der Manteltarifvertrag – also der Rahmen, der unter anderem Mehrarbeit oder Zuschläge regelt – auf der Kippe steht. Manche Absprachen, wie die Beschäftigungssicherung bis 2030, sollen hingegen weiter gelten. Es ist ein bisschen wie in einem alten VW-Werbespot: Vieles bleibt, manches rüttelt.
Arbeitszeit: Mehr als eine bloße Zahl
Diese Überlegungen fallen nicht vom Himmel. Die gesamte deutsche Autoindustrie steckt im Klemme: Mercedes-Benz debattiert schon über mehr Arbeitszeit bei unveränderter Bezahlung, Bosch trennt sich ebenfalls von Arbeitsplätzen. Angesichts der Unsicherheit hängen für die Belegschaft viele wichtige Fragen am Tropf: Wie teuer darf Arbeit überhaupt noch sein, bleibt der Standort zukunftsfähig? Werden Karriere und Privatleben für die Beschäftigten bald schwerer vereinbar?
Für VW sind die Themen eng miteinander verknüpft. Verlängerte Arbeitszeiten könnten eine Karte im Poker um Kosten und Sicherheit der Jobs sein – keine rein technische Frage, sondern eine, die viele familiäre, emotionale und tarifliche Ebenen anschneidet. Und wie üblich: Während an einem Punkt noch eifrig verhandelt wird, ist die nächste Front im deutschen Tarifdschungel schon abzusehen.
Kurz und knapp: Was passiert bei Volkswagen?
Volkswagen denkt über eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit für über 100.000 Mitarbeiter in Deutschland nach. Bis jetzt gibt es dazu jedoch keine finale Forderung – das Thema könnte aber bei künftigen Tarifverhandlungen durchaus eine Rolle spielen, zumal auch andere Großunternehmen wie Mercedes-Benz oder Bosch aktuell ähnliche Überlegungen anstellen.
Frischer Wind aus der Recherche
Aktuelle Recherchen zeigen, dass der Sparkurs bei VW zusätzlich durch eine geplante Streichung von weltweit bis zu 60.000 Stellen unterstrichen wird, wobei die Hälfte in Deutschland entfiele. Unterdessen positionieren sich die Gewerkschaften bereits für eine mögliche harte Auseinandersetzung um Arbeitszeiten und Beschäftigungssicherung, wobei sowohl innerhalb des Unternehmens als auch in Politik und Gesellschaft kontrovers diskutiert wird, wie der Spagat zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitnehmerschutz gelingen kann.
Derweil zeichnet sich ab, dass die Frage der Arbeitszeit Teil eines größeren Umbruchs in der gesamten Automobilbranche ist: Digitalisierung, E-Mobilität, internationale Konkurrenz und der Wandel im Arbeitsrecht verschärfen den Druck auf klassische Modelle und Standortsicherungen.