Ehrlich gesagt, lassen mich solche Ankündigungen von Donald Trump nicht kalt,“ räumt Wadephul gegenüber der Funke-Mediengruppe ein. Für ihn steht fest: Ohne die NATO wäre die Sicherheitsarchitektur Deutschlands – und eigentlich der gesamten westlichen Welt – eine einzige Baustelle. Dass das Bündnis nach wie vor als unumstößliche Säule westlicher Verteidigung gilt, daran erinnert Wadephul mehrfach. Auch verweist er fast schon mit Stolz darauf, dass Schweden und Finnland neu dabei sind und Europa für Verteidigung tiefer in die Tasche greift. Wieso überhaupt an diesem Bündnis rütteln? Gerade jetzt, wo die globale Lage eher an einen fragilen Balanceakt als an beschauliche Normalität erinnert.
Übrigens: Die Vereinigten Staaten einfach so raus aus der NATO? Ganz so simpel ist das juristisch und politisch dann doch nicht. Wadephul meint, das klare Ja der deutschen Politik und die Entschlossenheit der Partner könnten die Amerikaner noch motivieren, nicht vorschnell auf Distanz zu gehen. Und: Ein Alleingang des Präsidenten reicht auch in Übersee nicht, der US-Senat hat hier kräftig mitzureden.
Erinnernd blickt Wadephul auf Afghanistan zurück – damals, nach dem 11. September, stand Deutschland Seite an Seite mit den USA. Eine gewisse Loyalität und Opferbereitschaft ist also belegt: Deutsche Soldaten haben ihr Leben gelassen, und der Bündnisfall war mehr als Papier. An der Verteidigungsgarantie des Artikel 5 will Wadephul keine Zweifel lassen: Die NATO hält zusammen, Punkt.
Die jüngsten Aussagen von Donald Trump, der die Verlässlichkeit der NATO in Frage stellt, sorgen europaweit für Verstimmung. Der CDU-Politiker Johann Wadephul mahnt, das Erfolgsmodell NATO nicht durch politische Launen zu gefährden und verweist auf die neu gewonnene Geschlossenheit durch die Nord-Erweiterung und die gestiegenen Verteidigungsausgaben Europas. Tatsächlich sind auch in anderen europäischen Hauptstädten Sorgen spürbar: Nach Lektüre aktueller Berichte zeigt sich, dass Brüssel, Paris und Warschau die Unwägbarkeiten einer US-weitestgehenden Abkehr von der NATO als massives sicherheitspolitisches Risiko erachten. Im Hintergrund laufen intensive diplomatische Gespräche, um Washingtons Rückhalt für das Bündnis weiter zu sichern. Aus Angriffen auf das Bündnis (z.B. Papiertiger-Vorwurf) werden in Europa immer öfter energische Bekenntnisse zur transatlantischen Solidarität formuliert. Bemerkenswert ist, dass Trumps Kritik auch im eigenen Land auf Widerstand trifft – nicht zuletzt im Kongress, der in solchen Fragen eine entscheidende Rolle spielt.