Wandersymposium 2026: Warum Spazierengehen plötzlich überlebenswichtig ist

Villach/Bad Hofgastein – Eine bunte Runde aus Tourismus, alpinen Organisationen und Forscher:innen traf sich am 24. Juni in Bad Hofgastein. Es ging um mehr als Blasen an den Füßen: Wandern als gesellschaftliches Phänomen wurde neu beleuchtet.

heute 09:54 Uhr | 2 mal gelesen

Da saßen Sie also alle zusammen: Touristiker:innen, Bergprofis, Denker:innen. Am 24. Juni brodelte im Kongresszentrum Bad Hofgastein nicht bloß der Kaffeekocher, sondern auch die Köpfe – rund 120 an der Zahl. Das Wandersymposium zeigte, dass Gehen längst nicht nur Fortbewegung ist. Der Psychiater Reinhard Haller, Buchautor, Wanderer – und offenbar auch ein bisschen Missionar in eigener Sache – erklärte Wandern kurzerhand zur psychischen Überlebensmaßnahme: „Die Ärzte sagen, jeder Schritt zählt. Ich sage: jede Wanderung zählt.“ Ich weiß aus persönlicher Erfahrung, wie ein Spaziergang in den Bergen die Sorgen mit dem Nebel verschwinden lässt. Anders sah die Sache wieder FH-Prof. Dr. Harald Friedl. Für ihn teilt sich das Wander-Volk: die (sagen wir) Offline-Entschleunigten, die beim Gehen digital abschalten, und das Social Media-affine ‚Team Selfiestange‘, die gern jede Aussicht teilen. Sein Appell: Destinationen sollen sich trauen, auch mal Nein zu sagen. Mit eigenen Profilen gegen die Einheitssoße der Instagram-Landschaft. Wie sehr Gehen unsere Wahrnehmung umkrempeln kann, zeigte Claudia Schallauer am Projekt ‚Großer-Welt-Raum-Weg‘. Uns trennt die Sprache scheinbar von der Natur – und dabei stecken wir doch bis zu den Waden im Grassamen. Zum Schluss stand noch das ganz praktische Thema Ganzjahrestourismus auf der Tagesordnung. Bleibt Wandern ein Sommerding oder geht da noch mehr? Stefan Kreppel, Michael Roschi, Markus Welzl und weitere fächerten die Herausforderungen von 365 Tagen Wanderspaß auf: Mehr Touristen brauchen Schutz für Natur und Infrastruktur, müssen KI und Klimawandel in den Griff kriegen. Also: zwischen Euphorie und Realität blitzt immer ein Fragezeichen auf. Apropos, was macht eigentlich Ihr Lieblings-Wanderweg im Winter? Wer Details will, findet sie hier: [Keynote-Slides](https://drive.google.com/file/d/16mrEQIrTu8rDDiaENQtgrO1ry2eizze7/view?usp=sharing). Kontaktperson: Österreichs Wanderdörfer e.V. | Iris Zeiler | Telefon: +43 (0) 4242/25 75 30 - 203 | Mail: iris.zeiler@wanderdoerfer.at | Mehr Infos: https://www.wanderdoerfer.at

Das Symposium in Bad Hofgastein legt offen: Wandern hat sich vom Freizeitvergnügen zur gesellschaftlichen Notwendigkeit entwickelt. Neben der starken Wirkung auf die psychische Gesundheit – ein Aspekt, der gerade nach Jahren mit Homeoffice und Dauerkrise mehr Gewicht bekommt – kamen auch Herausforderungen wie Klimawandel, Ganzjahrestauglichkeit und Digitalisierung zur Sprache. Neuere Entwicklungen im Tourismus betonen, dass Wanderangebote auf Zielgruppen zugeschnitten werden müssen, während gleichzeitig der Umweltschutz nicht zum Nebenschauplatz werden darf. Immer häufiger geraten KI-Einsatz etwa im digitalen Wandermarketing, veränderte Bedürfnisse durch den Klimawandel (z.B. weniger Schneesicherheit), aber auch die Balance zwischen Massentourismus und naturnahen Erlebnissen ins Visier der Akteure. Zeitgleich findet man in den großen Tageszeitungen Hinweise darauf, dass Regionen in Österreich und der Schweiz schon heute massiv auf nachhaltigen Tourismus umschwenken und auch mit Besucherlenkung verstärkt experimentieren, zumal Wanderungen zu jeder Jahreszeit populärer werden. Drei aktuelle Medienberichte zeigen, dass von Family-Hikes über neue Apps bis hin zu Umweltschutzstrategien – Wandern bleibt 2024 und darüber hinaus ein politisches Thema.

Schlagwort aus diesem Artikel