Der Konflikt um das Reservistenstärkungsgesetz spiegelt erneut die größere Debatte um die Zeitenwende in der deutschen Sicherheitspolitik wider. Wüstners Kritik betont den Balanceakt zwischen verstärkter Einsatzfähigkeit der Bundeswehr und der Motivation von Freiwilligen: Das neue Gesetz birgt das Risiko, dass Menschen abgeschreckt werden, überhaupt Wehrdienst zu leisten – gerade in einer Zeit, in der die Bundeswehr neue Mitglieder dringend sucht (siehe etwa die steigenden Anforderungen an Landesverteidigung angesichts internationaler Unsicherheiten). Hintergrund ist die Aufhebung der doppelten Freiwilligkeit: Bisher notwendiges Einverständnis von Reservist UND Arbeitgeber soll entfallen, stattdessen greifen verpflichtende Modelle gestaffelt nach Dienstzeit – mit maximalen Höchstgrenzen pro Jahr. Politik und Fachleute diskutieren, ob insgesamt die Einsatzfähigkeit dadurch wirklich verbessert oder im Gegenteil die Zahl der Bewerbungen zurückgeht. → Laut Berichten in der Süddeutschen Zeitung gab es bereits in anderen europäischen Ländern vergleichbare Gesetzesänderungen mit gemischten Resultaten bei der Rekrutierung. → Die Bundeswehrführung verweist darauf, dass der Bedarf an Reservisten angesichts der internationalen Lage unumgänglich sei, das Ziel sei laut Verteidigungsminister Pistorius, die Kräftebasis deutlich zu vergrößern. → Experten von der Deutschen Welle betonen, dass die praktische Durchführung vor allem von der Akzeptanz in Wirtschaft und Gesellschaft abhängt; die Erfahrungen zeigen, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt entscheidend ist, um neue Verpflichtungen zu legitimieren.